Wagner, Armin:
Joseph von Ried. Der Winzergeneral – Badische Weinbaugeschichte am Beispiel des Rebortes Durbach

Selbstverlag 2018. 
218 Seiten.
39,00 Euro (zu beziehen über A. Wagner, Tel: 07821 5038 415; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

„Niemand vor ihm und niemand nach ihm hat jemals so viel für Durbachgetan und bewirkt, wie Joseph von Ried. Ohne seinen Qualitätsweinbauund seine innige Verbindung zu Durbach wäre diese Gemeindebis heute ein eher unscheinbares, unbedeutendes und austauschbaresWeindorf in Baden geblieben.“ So beschreibt Armin Wagner dengroßen Sohn der Ortenau, der jahrzehntelang als Feldmarschall, General-Feldzeugmeister und Oberbefehlshaber in Diensten der ÖsterreichischenArmee stand aber auch ein hervorragender Landwirt undWeinbauer war und den Qualitätsweinbau mit allen Mitteln förderte.Die Familie Ried stammt aus dem Wasgau, wo ihre Herkunft bis insfrühe 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann. Im 16. Jahrhundertsiedelte ein Familienstrang in das Bodenseegebiet.Bis in das Jahr 1762 kann die Familie Ried gesichert in der Ortenauzurückgeführt werden.
Joseph von Ried, geboren 1717, trat nach seiner Schulausbildung imberühmten Badischen Jesuiten-Kolleg in die Badische Armee ein. SeineStationen werden präzise geschildert. Dank seiner Erfolge und Kenntnissebrachte er es bis zu seinem Tod am 10.12.1779 zum General-Feldzeugmeister. In der Frauenkirche zu Günzburg wurde er beigesetzt.Ähnlich erfolgreich wie seine militärische Laufbahn ist auch seine präzise,ausführlich geschilderte politische Karriere vom ÖsterreichischenGesandten am Preußischen Königshof bis zum von Kaiser Josef II.ernannten bevollmächtigten Minister im Schwäbischen Kreis des HeiligenRömischen Reiches Deutscher Nation. In allen Stationen hieltmit ihm Durbacher Wein Eingang. Aufgrund der guten Qualitäten desDurbacher Klevner – mehr als 200 Jahre wurde Durbach das „Clevner-Dorf“ genannt – wurde im Jahre 1819 die komplette Ernte noch vorder Weinlese von der Markgräflichen Familie aufgekauft. Wenn auchvon der Rebsorte Traminer die Rede ist, so lässt sich nicht nachweisen,dass Traminer als autochthone Rebsorte gewachsen ist. Bei der Weinbezeichnung„Traminer“ handelt es sich wie zu dieser Zeit üblich umeine Herkunftsbezeichnung. Viele Einwanderer aus ganz Italien brachtenihre Rebstöcke mit in die neue deutsche Heimat. Nachweislich warder Durbacher Traminer bis zum Ende der 1969er-Jahre die beherrschendeWeißwein-Rebsorte im Durbachtal.
Sehr breiten Raum nimmt die Beschreibung der von der Großfamiliebewirtschafteten, zum größten Teil durch Zukauf erworbenen Höfefür den Zeitraum Ende des 17. bis Ende des 18. Jahrhunderts ein. Eswaren Bewirtschaftungseinheiten, in denen sowohl Landwirtschaft,Obstbau und Weinbau betrieben wurde, wobei der weinbauliche Anteilkontinuierlich wuchs. Ab dem 18. Jahrhundert waren fast 100 Prozentder Gemeindeflächen mit Reben und Wald bestanden.Wagner beschreibt die während dieser Jahrhunderte angepflanztenRebsorten, wobei er sich auf Veröffentlichungen von Johannes Metzgeraus dem Jahr 1827 sowie auf Erträgnislisten aus dem Archiv der FamilieNeveu bezieht.
Auch die „Futterkräuter“ finden Erwähnung, da eine gute Viehhaltungals Vorbedingung für einen erfolgreichen Weinbau galt.Der Familie von Neveu gebührt das weinbaugeschichtliche Verdienstder Fortführung der Riedschen Weinbautradition bis ins 21. Jahrhunderthinein. Seit über 200 Jahren führt sie den Weinbau in der sechstenGeneration fort.
Das hier vorgelegte und reich bebilderte Buch beleuchtet die Weinbau-Geschichte Durbachs und Joseph von Rieds sehr anschaulich undbietet sich auch gut als Geschenk an.

Verfasser: Gerhard Stumm

Aus: Mitteilung der GGW 1/2019

Philipsen, Christian; Lehmann, Stephan; Hanisch, Dieter:
Bacchus – Gott des Weines. Ausstellungsband Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und Museum Schloss Neuenburg

Druckhaus Gera 2018. 
132 Seiten.
ISBN 978-3-00-060273-3. 9,90 Euro

Drei Jubiläen rund um den Weinbau an Saale und Unstrut waren Anlass für die Sonderausstellung „Bacchus – Gott des Weines“ im Weinmuseum Sachsen-Anhalt auf Schloss Neuenburg in Freyburg (Unstrut), die von August bis November 2018 zu sehen war. Die Ausstellung war das Ergebnis einer Kooperation der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Weinbruderschaft Saale-Unstrut e.V. Grundlage für die Ausstellung und den Ausstellungskatalog war eine von der MLU und dem Museum Schloss Neuenburg gemeinsam getragene Lehrveranstaltung zur Ausstellungspraxis. Studierende haben selbstständig in den Sammlungen der Leihgeber geeignete Exponate recherchiert, die Objekte im Seminar vorgestellt und ihre Wahl begründet.
Der Katalog ist gut und übersichtlich gegliedert. In acht hinführenden Kapiteln werden die unterschiedlichen Epochen und Themenfelder beschrieben. Hier geht es nicht nur um Genuss, sondern wie sich für die griechisch-römische Antike, das Mittelalter und die Neuzeit zeigen lässt, sind Rebe und Wein fester Bestandteil religiöser und sozialer Gemeinschaft.
Bacchus ist eine der eklatantesten Götterfiguren der griechischen Mythologie. In der Antike wurde er von seinen Anhängern als Gott des Weines, der Freude und der Fruchtbarkeit, aber auch des Wahnsinns und der Ekstase verehrt. Der römische Geschichtsschreiber Titus Livius berichtet von ungeheuerlichen Orgien und Tausenden Anhängern des Kultes im antiken Rom. Mit der Christianisierung Europas geriet die heidnische Gottheit weitgehend in Vergessenheit. Erst in der Renaissance erlebte sie ein Comeback als Motiv der Kunst. Michelangelo, Leonardo da Vinci und Tizian schufen berühmte Bacchus-Darstellungen.
Im zweiten Teil des Ausstellungsbandes werden Kunstwerke von der Antike bis in das 20. Jahrhundert gezeigt. Zu den bedeutendsten Objekten gehören eine antike Schulterlekythos, ein Gefäß für Olivenöl, aus dem 5. Jahrhundert vor Christus sowie die Radierung „Triumph des Bacchus“ von Pietro Santi Bartoli nach einer Figurengruppe des italienischen Renaissancekünstlers Raffael aus dem Vatikan. Laster und Lebensfreude drücken die Werke „Der trunkene Silen“ des Berliner Malers Heinrich Zille sowie das Bacchus-Bildnis des Regisseurs und Malers Einar Schleef aus. Ein textiles Rundbild aus Ägypten, entstanden zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert, zeigt ein nacktes, tanzendes Paar als Verweis auf die freizügigen bacchantischen Kultfeste.
Der Ausstellungsband lässt auch diejenigen, die die Ausstellung nicht besuchen konnten, teilhaben an der sehr gut gelungenen Zusammenstellung.

Verfasser: Gerhard Stumm

Aus: Mitteilung der GGW 2/2019

Dipoli, Peter; Bampi, Felix:
Der Sauvignon blanc in Südtirol

Retina, Bozen 2019. 
95 Seiten.
ISBN 978-88-99834-11-31. 18 Euro

Unter den vielen weißen Rebsorten, die in Südtirol angebaut werden, nimmt der Sauvignon blanc heute eine besondere Stellung ein, da der Wein außerordentlich aromatische Eigenschaften besitzt. Passionierte Erzeuger, Händler und Liebhaber des Sauvignon blanc haben in diesem Büchlein die wichtigsten Aspekte, die zum Aufstieg dieser Rebsorte in Südtirol führten, zusammengefasst.
Wenngleich in Südtirol schon seit der Vorrömerzeit Reben angebaut wurden und Weinbau immer eine wichtige Rolle in der Wirtschaft des Landes spielte, war Wein – so Dipoli – hier bis vor wenigen Jahrzehnten zum allergrößten Teil Lebensmittel und Massenware. Erst vor wenigen Jahrzehnten mit der Wende hin zum Qualitätsweinbau begann sich das zu ändern. Und dies war auch der Startschuss für den Anbau des Sauvignon blanc. Von knapp neun Hektar in den 1980er-Jahren, dessen Wein damals meist in Cuvées landete, stieg der Anbau mittlerweile auf über 400 Hektar an. Die Weine werden in jüngster Zeit meist eigenständig ausgebaut und munden hervorragend dank der ausgeprägten Noten nach tropischen Früchten.
Die Autoren streifen den genetischen Ursprung der Sorte und beschreiben etwas ausführlicher die heutigen bedeutenden Anbaugebiete der weltweit auf 110.000 Hektar angepflanzten Rebsorte sowie deren Unterschiede bei der Aroma-Ausprägung. Für Südtirol von großer Bedeutung wird dabei die Aromatik beleuchtet, die sich aufgrund der stark differierenden Höhenunterschiede bis ca. 600 Meter ü. d. M. bildet. Nicht fehlen darf auch eine ausführliche Beschreibung der „Ankunft des Sauvignon blanc in Südtirol“ mit den ersten Versuchsanstellungen in der 1874 gegründeten Versuchsanstalt San Michele und den ersten gepflanzten Rebanlagen in Terlan im Jahre 1905. Eine Beschreibung der aufgrund der Geologie und der Exposition typischen und für Sauvignon blanc besonders geeigneten Lagen sowie der sieben bedeutenden Winzergenossenschaften und Weinkellereien für Sauvignon blanc runden die Thematik ab.

Verfasser: Gerhard Stumm

Aus: Mitteilung der GGW 3/2019

Nickenig, Rudolf:
Wein ist Kult

Herausgeber: Deutsche Weinakademie, Bodenheim
Verlag Nünnerich-Asmus, Oppenheim 2020
184 Seiten.
ISBN 978-3-96176-113-5. 25 Euro

Die im Buch thematisierte gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit dem Thema „Kultstatus des Weines“ spannt einen weiten Bogen von der Betrachtung historischer Entwicklungen hin zu aktuellen wissenschaftlichen Bewertungen.
Zwischen den Polen des Agierens „alkoholkritischer Nichtregierungsorganisationen und für Alkoholprävention eintretender Wirtschaftsorganisationen“ eine Position zu finden, die als angemessen toleriert werden kann und zugleich die Freude am moderaten Weingenuss nicht verbaut, das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Dem Wein im Dreieck „Heil-, Rausch- und Genussmittel“ den zutreffenden Platz zuzuweisen, ohne dabei einen der Eckpunkte überzubewerten, dem stellt sich Rudolf Nickenig passioniert und gewohnt souverän, basierend auf gründlicher Analyse und ausgewogener Berücksichtigung zahlreicher Quellen. Dabei kommt viel bislang Unbekanntes in den Fokus und dem Bekannten gibt der Autor häufig eine Wertung mit, die es relativiert oder verstärkt. Natürlich kommt ihm seine jahrzehntelange Beschäftigung mit der Materie zugute. Er meistert den Parcours mit Witz und gelegentlicher Ironie und bleibt dabei argumentativ bei einer Linie, die dem Leser keine absolute, dominierende Sicht aufzwingt, sondern vieles für eigene Interpretation und Bewertungen bereithält. Die Veröffentlichung wird wissenschaftlich getragen von Statements von Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirates der Deutschen Weinakademie (DWA) nämlich den Professores Flech, Rett und Worm ebenso wie von deren Wissenschaftlichen Leiterin Claudia Stein-Hammer. Auch neue und in Teilen überraschende Erkenntnisse aus einer Geisenheimer Kundenanalyse machen dieses von der DWA herausgegebene Buch aktuell und spannend.
Die Kapitel widmen sich den Themenbereichen Wein und Jugend, Frauen, Schwangerschaft, SeniorInnen, Speise, Verkehr, Sport, Arbeit und Tages- und Jahreszeiten. Der Autor bewertet, hinterfragt und versachlicht auf überzeugende und subtile Weise ohne der Gefahr zu unterliegen, einseitig Stellung zu beziehen. Aber natürlich ist er passioniert und den besonderen Wirkungen des Getränkes, das hier im Mittelpunkt steht, offen gegenüber. Das Buch bietet keine Grundlage für miesepetrige und extreme Positionen, sondern bereitet den Nährboden für „Wein in Moderation“, also verantwortungsbewusstem Genießen. Es ist ansprechend gestaltet und man nimmt es schon dank der zahlreichen Illustrationen und themenbezogenen Darstellungen gerne in die Hand.

Verfasser: Peter Fuchß

Aus: Mitteilung der GGW 2/2020

Nr. 197 der Schriften zur Weingeschichte, Wiesbaden 2019

Titel:
Die Anfänge der fränkischen Weinkultur – von der Karolingerzeit bis zur ersten Jahrtausendwende

Autor:
Andreas Otto Weber.

Herausgeber:
Gesellschaft für Geschichte des Weines e.V. (GGW)

Umfang:
56 Seiten mit zahlreichen s/w und farbigen Abbildungen.

Inhaltsverzeichnis:
+ Die frühesten Hinweise auf Weinbau in Franken
+ Ein Vergleich: Weinbergsschenkungen in Nachbarregionen
+ Quellenbeleg für Weinbau im Raum des heutigen Franken vom 8. Jahrhundert bis zur Gründung des Bistums Bamberg
+ Die Organisation des Weinbaus im frühen Mittelalter am Beispiel des Klosters Fulda und seines Wirtschaftshofes im Hammelburg
+ Analyse und Ausblick

Abstract:

Die Anfänge der Weinkultur in Franken wurden bislang noch nie unter Berücksichtigung  aller überlieferten Quellen wissenschaftlich untersucht. Dies soll im Folgenden anhand der schriftlichen Quellen und der wenigen einschlägigen archäologischen Funde des Frühmittelalters bis in die Zeit der ersten Jahrtausendwende versucht werden.
Besonders im westlichen Franken, also im Bereich des Mainvierecks und des Taubertales, fehlen frühe Belege für den Weinbau fast gänzlich. Es ist jedoch keineswegs so, dass es in dieser heute durchaus bedeutenden Weinlandschaft im frühen Mittelalter keinen Weinbau gegeben hat.
Die wichtigsten Quellen bilden Schenkungen des frühen fränkischen Adels und der Karolinger an das bedeutende karolingische Königskloster Fulda. Zum zweiten sind relativ wenige erhaltene Schenkungsurkunden an das Bistum Würzburg und an frühe Klöster Frankens zu nennen. Daneben geben wenige kirchliche und königliche Güterverzeichnisse und Grenzbeschreibungen Auskunft darüber.

Bestellung:
Preis: 6,- EUR für Mitglieder der GGW; für Nicht-Mitglieder 40 % Aufschlag;
zzgl. Versandkosten und 7 % Mehrwertsteuer;
mittels Bestellformular

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.