Ankündigung unserer Jahrestagung 2020

Unsere Jahrestagung 2020 mit Frühjahrstagung und Mitgliederversammlung findet statt

Steinbergkeller im Rheingau
Der Steinbergkeller der Hessischen Staatsweingüter
Foto: Haffitt, Wiki Commons, CC-BY-SA-3.0

  • vom 14. bis 17. Mai 2020;
  • im Rheingau.

Vorläufiges Programm:

  • Donnerstag, 14. Mai:
    Abends Weinprobe mit Weingut Breuer
  • Freitag, 15. Mai:
    Am Vormittag wissenschaftliches Symposium in Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim.
    Für den Nachmittag ist ein Besuch der Hochschule Geisenheim vorgesehen.
  • Samstag, 16. Mai:
    Vormittags Mitgliederversammlung.
    Am Nachmittag erkunden wir mehrere Weingüter.
  • Sonntag, 17. Mai:
    Besuch der Kellerei der Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach sowie Besichtigung von Kloster Eberbach.

Das detaillierte Programm für die Frühjahrstagung 2020, das unser Geschäftsführer Prof. Dr. Rühl derzeit erarbeitet, wird Ihnen mit der nächsten Mitteilung 3/2019 zugehen.

Stettener Brotwasser

Andreas Udo Fitzel:
Stettener Brotwasser.
Geschichte(n) eines legendären Weines.
Von starkem Wein, starken Frauen und höfischem Glanz im Remstal.

Remshalden: Bärenfelser & BAG Verlag 2019.
100 Seiten mit 47 farbigen Abbildungen.
ISBN 978-3-86372-052-0. EUR 14,-

Seit Jahrhunderten zählt Stettener Brotwasser zu den berühmtesten Weinen in Württemberg. Die Lage befindet sich im Alleinbesitz des Weinguts Herzog von Württemberg. Eine wissenschaftlich fundierte Studie zur Geschichte des Stettener Brotwassers fehlte freilich bislang. Dem widmete sich nun der Kulturwissenschaftler Andreas Fitzel.
Dabei hatte er eine ganze Reihe an Fragen zu beantworten: Seit wann existiert Stettener Brotwasser und wie kam es zur Namensgebung? Handelte es sich dabei um eine Lage oder vielmehr eine Weinsorte? Aus welchen Rebsorten wurde Stettener Brotwasser erzeugt? Wie entstand sein Ruf als Spitzenwein? Um es gleich vorweg zu sagen: Andreas Fitzel hat das Thema akribisch anhand sämtlicher verfügbarer Primärquellen recherchiert und auf all diese Fragen überzeugende Antworten gefunden. Ihm gelingt es, komplexe Themen verständlich darzustellen. Es ist überdies ein überaus spannend geschriebenes Buch entstanden, in dem es um „Mätressen und Intrigen, Schlösser und Feste, Krieg und Frieden, Liebe und Macht“ geht.
In fünf schlüssig aufgebauten Kapiteln nähert sich der Autor dem Thema. Im Kapitel „Das Brotwasser – Lage, Sage und Geschichte“ beleuchtet Andreas Fitzel die Legende, nach der die Bezeichnung Stettener Brotwasser von einer List herrührt, mit der eine Hofdame im 17. Jahrhundert ihren Weinkonsum vor der Öffentlichkeit versteckte, indem sie sich Wein in den Wasserkrug einschenken ließ und ihr Brot dort hineintunkte. Im nächsten Kapitel erörtert Andreas Fitzel die Beschaffenheit des berühmten Weins und kommt zum Ergebnis, dass er anfangs aus weißem Traminer, später aus Grauburgunder und Muskateller erzeugt wurde. Aufgrund seiner Stärke war der kräftig gefärbte Wein zu einem gesuchten Gewächs geworden. Wilhelmine Grävenitz, die berühmte Mätresse des württembergischen Herzogs, liebte das Brotwasser und zweigte erhebliche Mengen davon ab, um verdeckt damit zu handeln – „vom Modewein am Hof zum Politikum“, so die Überschrift des Kapitels. War der Wein zunächst beim Adel beliebt, so begann er im Laufe des 18. Jahrhunderts überregional bekannt zu werden und taucht nun in einschlägigen Weinbüchern und Reiseführern auf. Geschützte Herkunftsbezeichnungen und eingetragene Markennamen gab es damals noch nicht, so dass es im 19. Jahrhundert zunächst zu einer Verwässerung der Qualitätsstufe kam, indem auch weniger hochwertige Weine unter dem berühmten Namen in den Handel gelangten. Als die Hofkammer ab etwa 1830 auf Riesling setzte, begann die Renaissance des Stettener Brotwassers als Monopol der Hofkammer. Andreas Fitzel zeichnet dies im letzten Abschnitt eindrücklich nach, indem er alte Handelsbezeichnungen und Etiketten analysiert. So ist die Geschichte des Stettener Brotwassers darüber hinaus ein fesselndes Stück Marketinggeschichte.
Das Buch ist nicht nur für alle lesenswert, die sich mit der württembergischen Weingeschichte befassen. Es sei auch all denjenigen empfohlen, die sich für die Geschichte der Weinlagen und des Weinbezeichnungsrechts interessieren.

Verfasserin: Dr. Christine Krämer, Stuttgart

Aus: Mitteilung der GGW 2/2019

Der Wein des Vergessens

Bernhard Herrman; Robert Streibel:
Der Wein des Vergessens.

Wien, Salzburg: Residenz Verlag 2018.
256 Seiten mit 24 Seiten Abbildungen.
ISBN 978-3-7017-1696-8. EUR 24,-

Der Wein des Vergessens ist ein dokumentarischer Roman und handelt von der Arisierung des Weinguts Sandgrube, das sich heute im Besitz der Winzergenossenschaft Krems befindet. Das Buch kam zustande, weil der Mitautor Bernhard Herrman eine Schatulle mit Briefen, Tagebüchern und Fotos der ehemaligen Eigentümer erbte.
Das Weingut Sandgrube gehörte Paul Robitschek, einem vermögenden jüdischen Weinhändler in Wien. Robitschek war nicht nur Jude, sondern zudem homosexuell und führte eine Beziehung mit dem Lebemann August Rieger. Bereits vor 1938 hatten die Kremser ein Auge auf das Weingut geworfen, denn sie wünschten eine Genossenschaft zu gründen. Doch Robitschek hatte gerade noch rechtzeitig an seinen Partner Rieger überschrieben. Verwalter der Sandgrube wiederum war Albert Herzog, der Onkel des Mitautors Bernhard Herrman. Es gelang den Kremsern unter der Führung von NS-Bauernführer Franz Aigner, das Gut an sich zu bringen. Sie denunzierten Robitschek und Rieger, die als homosexuelles Paar infolgedessen verhaftet wurden und nur knapp der Deportation entgingen. Robitschek konnte flüchten und baute sich später in Venezuela eine neue Existenz auf, Rieger wurde mehrfach verhaftet. Das einstige Paar fand nie mehr zueinander. Robitschek wurde für das angeeignete Gut teilentschädigt, ein Rechtsstreit endete im Vergleich.
An diesen seriös recherchierten historischen Eckdaten orientiert sich der Roman und lässt die Leser eindrücklich teilhaben am Schicksal der Hauptfiguren.
Bei der Winzergenossenschaft Krems reagierte man zunächst ausgesprochen ablehnend. Erst nach dem Erscheinen des Buches, dem schnell eine große Aufmerksamkeit zuteil wurde, erkannte man die Brisanz des Themas und lenkte ein. Mittlerweile hat die Winzergenossenschaft Krems selbst eine namhafte Historikerin beauftragt, um das Thema aufzuarbeiten.
Der Roman von Robert Streibel und Bernhard Herrmann ist ein hervorragend geschriebenes, spannendes und wichtiges Buch. Natürlich ist der Fall von Krems nicht singulär; zahlreiche Unternehmen, darunter auch andere Weingüter und Genossenschaften, gründen auf Arisierungen. Eine Aufarbeitung hat indessen bis heute kaum stattgefunden. Dabei geht es, wie im Falle von Krems, nicht um Schuldzuweisung, sondern vielmehr um die richtige Darstellung der Gründungsgeschichte.

Verfasserin: Dr. Christine Krämer, Stuttgart

Aus: Mitteilung der GGW 2/2019

Weinbau an der Nahe – vom Probierstübchen der deutschen Weinlande zum selbstbewussten Anbaugebiet

Dr. Peter Fuchß:
Weinbau an der Nahe – vom Probierstübchen der deutschen Weinlande zum selbstbewussten Anbaugebiet.

Selbstverlag, Bad Kreuzach 2018. 76 Seiten mit zahlreichen farbigen und s/w Abbildungen. EUR 5,-


Während das Anbaugebiet Nahe in heutiger Zeit in der deutschen Weinlandschaft einen festen Begriff darstellt und jeder Weinliebhaber an die qualitativ hochwertigen, nuancenreichen Rieslingweine denkt, war das in früheren Jahrhunderten nicht der Fall. Erst in den letzten Jahrzehnten ist die Nahe aus dem Schatten der benachbarten großen Anbaugebiete herausgetreten und wird als eigenständiges und nicht verwechselbares Anbaugebiet wahrgenommen. Die vielen unterschiedlichen geologischen Formationen aber auch die verschiedenen Mikroklimaten bilden beste Voraussetzungen für die große Weinvielfalt mit den unterschiedlichsten Rieslingtypen.
Peter Fuchß, dem der „Stallgeruch“ anhaftet, hat den Naheweinbau von Kind auf erlebt und damit auch die Entwicklung des Naheweinbaus und ebenso intensiv den Aufstieg des Naheweins mitbegleitet. In seinem Beitrag, so bekennt er selbst, „will er nicht im Einst verharren, er will vor allem die Entwicklung der letzten Jahre darstellen, die der Nahe Dynamik und Zukunftsperspektive vermittelt“.
Ausgehend von der Historie des Naheweinbaus über die Darstellung des Einflusses von Klöstern und Adeligen im Mittelalter beschreibt er die Zerrissenheit des Anbaugebietes nach der französischen Epoche, nach der das Anbaugebiet Bayern, Preußen und Hessen-Darmstadt zugeschlagen wurde. Erst nach und nach kam es zu dem uns heute bekannten Nahe-Anbaugebiet. So ist es nicht verwunderlich, dass der erzeugte Wein in früherer Zeit meist als „Rheinwein“ verkauft wurde. Die Bezeichnung „Nahe“ wurde nur beim Weinexport als Herkunft gewählt. Seit gut 50 Jahren erst muss jeder Qualitäts- und Prädikatswein den Namen des Anbaugebietes tragen. Der Autor geht in seiner Schilderung auf die Pioniere des Naheweinbaus ein, die den Qualitätsweinbau wesentlich vorangetrieben haben und für die Bodenordnung sowie darauf aufbauend die Fortentwicklung der Mechanisierung in Weinberg und Keller kämpften.
Nach der Darstellung des enormen Strukturwandels bis in die Gegenwart befasst er sich auch mit der entscheidenden Frage, wohin die Entwicklung des Naheweins geht. Den Handicaps stellt er die umfangreichen Stärken und Chancen gegenüber.
Die Schrift soll dazu beitragen, dass sich der Leser mit der reichen Kultur der Region auseinandersetzt und dabei dem Nahewein noch näher kommt.

Verfasser: Dr. Gerhard Stumm, Bad Kreuznach
Aus: Mitteilung der GGW 2/2019

Christian Busse: Weinbau und Weinrecht im Reichsland Elsass-Lothringen

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