Carl Remigius Fresenius

Nr. 195 der Schriften zur Weingeschichte, Wiesbaden 2018

Titel:
Carl Remigius Fresenius (1818–1897) und sein Laboratorium.
Beiträge zur Weinanalytik, Önologie und Agrikulturchemie im 19. Jahrhundert.

Autor:
Prof. Dr. rer.nat. Leo Gros.

Herausgeber:
Gesellschaft für Geschichte des Weines e.V. (GGW) und Nassauischer Verein für Naturkunde e.V.
ISBN 978-3-9809749-5-0

Umfang:
144 Seiten mit 19 s/w Abbildungen.

Inhaltsverzeichnis:
+ Carl Remigius Fresenius - sein Werdegang, sein Denken und sein Umfeld: aus seinem Leben, seine Ausbildung, seine Söhne und seine Mitarbeiter
+ Entwicklung und Wirken der agrikulturchemisch-önologischen Lehre und Forschung im Herzogtum und im preußischen Nassau des 19. Jahrhunderts
+ Wein- und agrikulturchemische Arbeiten aus dem Chemischen Laboratorium Fresenius
+ Ausgewählte Schüler des Chemischen Laboratoriums
+ Der Wein im Leben des Carl Remigius Fresenius
+ Das Erbe dieses großen Mannes
+ Häufig zitierte Literatur, wichtige Quellen, Berichte und Nekrologie
+ Publikationen zu Wein und agrikulturchemischen Fragen von Fresenius und Mitarbeitern.

Abstract:
Was denkt Justus von Liebig wirklich über einen Besuch bei Fürst Metternich 1845? Dürfen 13-jährige Internatsschüler auf Exkursionen Wein trinken? Warum soll man im Herbst keine Maibowle mehr machen? Wie viele Gläser zerdeppern deutsche Wissenschaftler bei einem feucht-fröhlichen Kongressabend 1852 in Wiesbaden? Warum spart eine gut geübte Weinzunge Geld? Welche „fake news“ über vier Stubenfliegen erregten vor der Verabschiedung des Lebensmittelgesetzes von 1879 die Gemüter?
Kurioses und Wissenswertes über einen der bedeutendsten Chemiker der letzten 300 Jahre, Carl Remigius Fresenius, erfahren Wissbegierige in einem Büchlein über Wein bezogene Arbeiten aus seinem Laboratorium. Da werden Gärversuche im Labormaßstab und im 1200-Liter-Fass verglichen, Weinfälschungen mit Billigzucker entlarvt und Blätter, Holz und Tränen von Reben untersucht. Es erweist sich schon damals als schwierig, Terroir und Weinqualität analytisch einfach zuzuordnen. Uns Heutige wundert es nicht, dass Fresenius und sein Team die Aufnahme von „verbesserten Weinen“ ins Weingesetz ablehnen.
Lehrreich und bleibend aktuell ist, wie sie das begründen. Diese und viele andere Fakten und Geschichten ordnet die kleine Schrift in den Zusammenhang der handelnden Personen und Institutionen und ihrer Publikationen – übersichtlich gegliedert – ein.
Fleißig waren sie, unsere Vorfahren – getreu Fresenius‘ Devise: „Geht es dir im Leben gut, wahre dich vor Übermut. Gehen schlechter die Geschäfte, so verdopple deine Kräfte.“
Mit einem Glas Wein in der einen und diesem Büchlein in der anderen Hand sollte eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert nicht schwer fallen.

Diese Schrift entstand aus Anlass des 200. Geburtstags von Carl Remigius Fresenius, der 1848 das Chemische Laboratorium Fresenius gegründet hatte – Forschungseinrichtung, Ausbildungsstätte und Dienstleistungslabor, aus dem später die Hochschule Fresenius hervorging – und widmet sich erstmalig vor allem den wein- und agrikulturchemischen Arbeiten des „Wegbereiters der analytischen Chemie“ und seines Laboratoriums im 19. Jahrhundert. In der Abhandlung sollen vor allem Carl Remigius Fresenius, seine Söhne Wilhelm und Heinrich sowie ihre Mitarbeiter Carl Neubauer und Eugen Borgmann als Weinchemiker gewürdigt werden.

Schlagwörter:
Fresenius, Weinanalytik, Chemisches Laboratorium, Önologie, Weinbauschulen,Weinlaboratorien.

Rezension:
In: Nachrichten aus der Chemie, Jg. 67, April 2019.

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Preis: 8,50 EUR für Mitglieder der GGW; für Nicht-Mitglieder 40 % Aufschlag;
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Südtiroler Weinbaugeschichte

Nr. 194 der Schriften zur Weingeschichte, Wiesbaden 2018

Titel:
Südtiroler Weinbaugeschichte.
Vorträge anlässlich der Jahrestagung 2018 in Südtirol.

Autoren:
Dr. Helmuth Scartezzini; Dr. phil. Roland Zwerger; Alois Lageder; Peter Dipoli.

Herausgeber:
Gesellschaft für Geschichte des Weines e.V. (GGW)

Umfang:
72 Seiten mit zahlreichen farbigen und s/w Abbildungen.

Inhaltsverzeichnis:
+ Dr. Ivo Maran: Vorwort
+ Dr. Helmuth Scartezzini: Die Südtiroler Weinbaugeschichte
+ Dr. Roland Zwerger: Südtiroler Weißlagrein- und Traminer-Nachlese
+ Alois Lageder: Südtirols Zukunft – eine spannende Herausforderung für uns Winzer
+ Peter Dipoli: Anmerkungen zur Geschichte der Bordeaux-Rebsorten in Südtirol.

Abstract:
+ Überblick über die Geschichte des Weinbaues in Südtirol von den wahrscheinlich vorrömischen Anfängen bis in die Gegenwart; erstmalig in dieser gestrafften Form.
+ Ergebnisse von langjährigen Studien zum historischen Traminer Wein.
+ Ausblick von einem Querdenker, wohin der Südtiroler Weinbau sich entwickeln kann und soll.
+ Über die Geschichte der Bordeaux-Rebsorten in Südtirol aus der Sicht eines Qualitätswinzers.

Schlagwörter:
Südtirol, Weinbau, Geschichte, Rebsorten, Kalterer Seewein, Traminer, Vernatsch, Lagrein, Weinbaugeschichte Südtirol, Bistümer und Klöster als Weingutsbesitzer, Tiroler Wein, Weinhändler, Kellereigenossenschaften, Erzherzog Johann, Weißlagrein.

Bestellung:
Preis: 7,50 EUR für Mitglieder der GGW; für Nicht-Mitglieder 40 % Aufschlag;
zzgl. Versandkosten und 7 % Mehrwertsteuer;
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Walliser Reb- und Weinmuseum (Hrsg.):
Rebe und Wein im Wallis. Die Geschichte von den Anfängen bis heute.

Rebe und Wein im Wallis. Die Geschichte von den Anfängen bis heute

Infolio éditions, Gollion 2010. 576 Seiten.
ISBN 978-2-88474-233-7. CHF 85,-

Unter der Gesamtleitung der Leiterin des Walliser Reb- und Weinmuseums in Sierre-Salgesch, Anne-Dominique Zufferey-Perisset, haben mehr als 30 Wissenschaftler, Ethnologen, Historiker, Geografen, Ampelografen, Archäologen und Botaniker ein einmaliges und reich bebildertes Gesamtwerk über die Geschichte des Walliser Weinbaus von den Anfängen bis heute vorgelegt. In rund hundert Artikeln werden sämtliche Facetten einer dreiundzwanzig Jahrhunderte alten Vergangenheit, von den Rebsorten bis zum Brauchtum, das sich im Laufe der Zeit um den Wein gebildet hat, beleuchtet. Seit dem Jahre 2002 arbeiten die vielen Forscher an dem vom Weinmuseum breit angelegten Vorhaben.
Der erste Teil dieses Buches schildert die Ursprünge, die Entwicklung und die wechselhaften Geschicke des Walliser Weinbaus zwischen dem 8. Jh. vor Chr. und dem 16. Jh. nach Chr. Zwar fehlen Zeugnisse der Weinherstellung, doch hat man Rebmesser aus der vorrömischen Zeit gefunden, die die Annahme erhärten, dass es im Wallis bereits zur Eisenzeit Rebanbau gab. In rundförmige Gefäße mit fein gearbeiteten Verzierungen, sogenannte Kreiselflaschen, füllten die Kelten ihren Wein. Traubenkernfunde lassen sich auf das 1. Jh. nach Chr. datieren.
Als Zweites wird die Entstehung eines großen Weinbaugebietes in der Spätantike und sein stetiger Ausbau bis Mitte des 14. Jh. geschildert. Um 1300 hatten die Rebflächen im oberen Rhônetal ungefähr dieselbe Ausdehnung wie in der 2. Hälfte des 19. Jh., wobei es sich überwiegend um Rotweinanbau handelte. Aus dem 14. Jh. kennt man Quellen mit den ersten Rebsortennamen: Humagne, Resi und Neyrun. Im 16. Jh. kommen vier weitere Rebsorten dazu: Muskateller, Gwäss, Gros Bourgogne und Savagnin Blanc. In einem weiteren Kapitel, das mit „Beharrung und Erneuerung“ überschrieben ist, wird die Entwicklung von 1600 bis 1830 dargestellt. Neben der Beschreibung von Rebanbau, Terrassierung sowie den Neuerungen bei der Weinbereitung werden auch die Anfänge des Weinhandels gestreift. Größeren Raum nimmt die Darstellung der Reben der Wohlhabenden, der Gemeinden und Pfarreien sowie der Chorherren ein. Unter die Lupe genommen werden auch die Steinhaufen als Relikte aus dem traditionellen Walliser Rebberg; es werden Rezepte und Praktiken zur Verbesserung des Weins und Trinksitten im Hospiz auf dem Großen Sankt Bernhard festgehalten. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass Wein zu damaliger Zeit auch als Arznei und vor allem auch Wöchnerinnen verordnet wurde. Für sie wurde ein eigener „Kindbettbecher“ geschaffen, aus dem sie die ihnen zugedachten 30 Liter Wein tranken.
Etwa die Hälfte des Buches ist der zeitgenössischen Epoche vom 19. bis zum 21. Jahrhundert gewidmet.
Das 19. Jahrhundert gilt allgemein als der Abschied von der alten Ordnung oder als Geburt des kommerziellen Weinbaus. Mit der Säkularisierung der kirchlichen Güter als Folge der Niederlage des Sonderbunds wurden diese von reichen Familien aufgekauft und modernisiert weiterbewirtschaftet. Der Bau der Eisenbahn stimulierte den Weinhandel; es entstanden große Weinhandelshäuser und die ersten Genossenschaften wurden gegründet.
Der große Umbruch im Walliser Weinbau stand schließlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor der Tür. Die Reblaus erreichte später als in Deutschland auch das Wallis. Absatzschwierigkeiten traten aufgrund der allgemeinen Krisen und Kriege auf, obwohl die Rebfläche nicht wesentlich vergrößert wurde. Als Antwort zur Verbesserung der Situation der Winzer wurden Landwirtschaftsschulen und Kompetenzzentren gegründet. Winzer schlossen sich zur Überwindung der Absatzkrise verstärkt in Genossenschaften zusammen und auch die Weinhändler organisierten sich.
Eine ausführliche Beschreibung der letzten 60 Jahre und die großen Bemühungen um die Steigerung der Weinqualität als Voraussetzung für einen gesicherten Absatz auf den internationalen Märkten runden die Gesamtdarstellung ab. Der Tabellenanhang liefert in verschiedenen Zusammenstellungen Daten zur Entwicklung der Rebflächen, Rebsorten und Erträge. Für die letzten drei Jahrhunderte werden chronologische Orientierungspunkte übersichtlich aufgelistet und abschließend die heute geltenden gesetzlichen Grundlagen des Weinbaus aufgeführt. Eine sehr umfangreiche Bibliographie schließt das Gesamtwerk ab und bietet jedem Interessierten Gelegenheit zum Weiterstudium.
Das hier vorgelegte Werk, das von vielen Wissenschaftlern der unterschiedlichsten Disziplinen mitgestaltet wurde, stellt eine „Schweizer Premiere“ dar und ist sehr zu empfehlen.

Verfasser: Dr. Gerhard Stumm
Aus: Mitteilung der GGW 1/2012

Ralf Frenzel (Hrsg.):
Château Mouton-Rothschild – Wein und Kunst 1924 / 1945–2011.

Château Mouton-Rothschild

Tre Torri Verlag, Wiesbaden 2014. 304 Seiten.
ISBN 978-3-944628-39-4. EUR 69,90
Weinbibliographie [Schoene3] Nr. 35582

Château Mouton-Rothschild verkörpert wie wenige andere Chateaux den absoluten Mythos der französischen Weinbranche, dem man besonders in Deutschland, dem Ursprungsland der Familie Rothschild, höchste Wertschätzung entgegenbringt. Einer der Söhne der seit dem 15. Jahrhundert in Frankfurt ansässigen jüdischen Bankiersfamilie, Baron Nathaniel de Rothschild, erwarb 1853 im Bordelais das Château Brane-Mouton, das er sofort in Château Mouton-Rothschild umbenannte. Hier begann die Erfolgsgeschichte, die aber erst mit der Übernahme des Weingutes durch den 20-jährigen Urenkel, Baron Philippe de Rothschild, im Jahre 1922 an Fahrt gewann. „Ohne sein Engagement, seinen Pioniergeist, sein Kunstverständnis und seine Weitsicht“ wäre der Aufstieg Moutons zu einem der weltbekannten und erfolgreichsten Châteaux nicht möglich gewesen. Innovation und konsequentes beharrliches Qualitätsstreben waren ihm eigen; sein Lebenswerk wurde 1973 mit der Erhebung Moutons in den höchsten Rang der Weinproduzenten der Region Bordeaux als Premiers Crus Château gekrönt, was ihn zu dem Ausspruch verleitete: „Erster bin ich, Zweiter war ich, Mouton ändert sich nicht“.
In einer sehr aufwändig gestalteten, opulenten und reich bebilderten Ausgabe, die dem Herausgeber eigen ist, wird das Werden des Château in kurzen Zügen dargestellt. Das Hauptaugenmerk dieses Buches ist aber auf die Verbindung von Kunst und Wein gelegt, die mit Einführung der Flaschenfüllung im Weingut ab dem Jahre 1924, drei Jahre vor allen anderen Châteaux begann. Damit konnte der junge Baron seinen Traum verwirklichen, indem er seine Flaschenweine mit Kunstetiketten zierte. Fast alle namhaften Künstler haben sich auf einem der Jahrgangsweine verewigt. Den Anfang hat der im Jahre 1900 geborene Künstler Jean Carlu für den 1924er-Jahrgang gemacht und damit die Pionierarbeit für die weitere Reihe herausragender Künstlerarbeiten geleistet. Das Etikett stellt die im Jahre 1924 begonnene Flaschenfüllung besonders heraus. Ab dem Jahrgang 1945 sind bis 2011 alle Etiketten abgebildet.
Nach einer kurzen Beschreibung von Witterungsverlauf und Weinjahrgang werden Anregungen zur Degustation vermittelt. Außerdem wird der jeweilige Wein von einem ausgesprochenen und in der Welt anerkannten und führenden Experten für feine und gereifte Weine, Pekka Nuikki, 1962 in Helsinki geboren, skizziert und bewertet. Weiter findet man wichtige Informationen zu den einzelnen Künstlern und zur künstlerischen Gestaltung des Bildes auf dem Etikett. Fast alle namhaften Künstler findet man unter den Kunstschaffenden wie Jean Hugo, Georges Braque, Salvador Dalí, Henry Moore, Joan Miró, Marc Chagall, Wassily Kandinsky, Pablo Picasso und viele andere mehr. Das Etikett des Millennium-Jahrgangs ziert ein Kunstobjekt und Sammlerstück aus dem hauseigenen Museum für Wein und Kunst auf Château Mouton-Rothschild: der kleine „Widder von Augsburg“, dargestellt auf einem Glasdeckelhumpen aus vergoldetem Silber aus dem 16. Jahrhundert.
Die zweisprachigen Texte – deutsch und englisch – sind geeignet, den Interessentenkreis zu steigern. Das Buch kann jeden Leser begeistern. Es ist nur schade, dass man zu wenig über die Geschicke des Château in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere vor und während des Zweiten Weltkriegs erfährt. Etwas größere Schrifttypen würden das Lesen sicherlich erleichtern.

Verfasser: Dr. Gerhard Stumm, Bad Kreuznach
Aus: Mitteilung der GGW 1/2018

Ralf Frenzel (Hrsg.):
Kloster Eberbach – Geschichte und Wein.

Kloster Eberbach

Tre Torri Verlag, Wiesbaden 2015. 240 Seiten.
ISBN 978-3-944628-71-4. EUR 49,90


Der Herausgeber hat mit diesem Buch die enorme Bedeutung des rund 900 Jahre alten Klosters Eberbach für den Rheingau aber auch für Deutschland und die Welt dokumentiert. Seit Gründung des Klosters durch die zisterziensischen Mönche bis in die Jetztzeit ist dieses unmittelbar mit dem Weinbau verknüpft. In der umfassenden Darstellung wird eine der wertvollsten und international bedeutendsten kulturellen Schätze gewürdigt und gleichzeitig ein Beitrag zur Vergegenwärtigung für zukünftige Generationen geleistet.
Kloster Eberbach war fast zwei Jahrhunderte nach der Säkularisation im Eigentum des Landes Hessen. Somit stand das Land in der Pflicht, die notwendigen Investitionen zum Erhalt des Klosters und der dazugehörigen Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach zu finanzieren. Zum 1. Januar 1998 wurde das Kloster rechtlich vom Weingut getrennt und in eine Stiftung überführt; dies allerdings nicht, ohne der Stiftung vertraglich zuzusichern, die bis zum Jahre 2024 durchzuführende Generalsanierung zu finanzieren. Das Weingut wurde in eine GmbH umgewandelt, um es für die Zukunft auf ein wirtschaftliches, solides Fundament zu stellen. Die einzelnen Schritte und Wege dorthin werden aufgezeichnet.
In einem weit ausholenden Beitrag schildert Martin Wurzer-Berger zunächst Geschichte, Entwicklung und Bedeutung des Mönchtums allgemein, bevor er in einer leicht verständlichen, nicht streng wissenschaftlichen Sprache auf die Gründung des Klosters Eberbach im Jahre 1136 zu sprechen kommt. Die sich daran anschließende Schilderung der Entwicklung des Klosters im feuilletonistischen Stil endet nicht mit der Säkularisation im Jahre 1803, es wird auch auf die Wahrung der Kontinuität der über achthundertjährigen Tradition durch die Hessische Landesregierung eingegangen.
Unter dem Titel „Es blühe der Steinberg“ hat Daniel Deckers die Entwicklung des Weinguts Kloster Eberbach von der Gründung bis zur Gegenwart ausgeleuchtet. Dabei war es vor allem die Monopollage „Steinberg“, die das Weingut zu der Anerkennung emporsteigen ließ, die es noch heute erstrahlen lässt. Spätestens seit 1170, so Deckers, setzten die Mönche alles daran, durch Tausch, Kauf und Rodung eine zusammenhängende Fläche dieser exponierten Südlage zu erhalten, die ihnen die Anlage eines Weinbergs ermöglichte. Der Wein wurde in der nahe gelegenen Abtei ausgebaut und zum größten Teil per Schiff nach Köln gebracht und verkauft. Ab dem 15. Jahrhundert gibt es schon Hinweise auf Herkünfte wie „Marcobrunn“, „Sandgrub“ oder „Steynberg“. Auch was die Weinbehandlung betraf, so waren die Eberbacher Mönche Pioniere; sie setzten schon im 16. Jahrhundert Tücher zur Filtration und Hausenblasen zur Schönung ein.
Schwere Zeiten folgten mit dem Dreißigjährigen Krieg, als sie vertrieben wurden und nach der Wiederkehr mit dem Aufbau beginnen mussten. Wirklich lange dauerte die Blütezeit nicht; sie neigte sich bereits Ende des 18. Jahrhunderts dem Ende zu. 1797 plünderten die Franzosen den Keller mit wertvollen Weinbeständen. Nach der Säkularisation ging das gesamte Kloster in den Besitz des Fürstentums Nassau-Usingen über. Ein Teil der Gebäude wurde nun umgewidmet oder dem Verfall preisgegeben; ein Teil des Steinbergs wurde aufgeforstet. Erst der Jahrgang 1811 mit seinen Jahrhundertweinen, die immense Preise erbrachten, öffnete dem Fürstentum die Augen und führte zu einem Umdenken. Plötzlich war der Steinberger wieder der Garant für gute Erlöse. Ein halbes Jahrhundert nach dem Niedergang des Klosters nahm der Wein wieder jenen hervorragenden Ruf ein, den er bis heute bewahrt und ausgebaut hat. Nicht unerwähnt lässt der Autor auch die Querelen um den Bau einer neuen Kellerei im Steinberg, die 2008 eröffnet wurde, wobei heute jegliche Gegenstimmen verstummt sind. Im Jahre 2010 wurde dem Weinkeller sogar der zum zweiten Mal vergebene Architekturpreis für harmonisches Zusammenspiel von Alt und Neu verliehen.
In einem weiteren Kapitel beschreibt der Architekturkritiker Gerwin Zohlen „die karge Schönheit“ von Kloster Eberbach und dem Steinberg. Einer knappen Betrachtung des Klosters, seiner Baugeschichte und seiner architektonischen Schönheit und Harmonie folgt eine ausführliche Betrachtung der einzelnen Schritte des Neubaus der Kellerei in der Gegenwart, die er in höchsten Tönen lobt: „Es ist mit gegenwärtigen architektursprachlichen Mitteln die gleiche Haltung der Reduktion und Zurückhaltung, die sich hier wie dort zeigt, ... Wie ein Ausguck zum Rhein bietet sich die Domäne heute dar, mit einem faszinierenden Rundblick in die Weiten des Raumes. Nichts drängt sich vor, nichts drängt sich auf, alles ordnet sich angemessen dieser langen Tradition unter.“
Abschließend beleuchtet Till Ehrlich, Weinjournalist und freier Redakteur, in seinem Beitrag „Der Steinbergkeller und die Domänen Steinberg und Rauenthal“, diese beiden Unternehmensteile, bevor die weiteren Gutsbetriebe Aßmannshausen, Rüdesheim, Rauenthal und Bergstraße im Einzelnen mit ihren Besonderheiten, Weinlagen und Weinen vorgestellt werden.
Auch dieses Buch ist wie die anderen dieser Reihe reichlich mit anschaulichem Bildmaterial bespickt und ist reich an wissenswerten Informationen und Hintergründen.

Verfasser: Dr. Gerhard Stumm, Bad Kreuznach
Aus: Mitteilung der GGW 1/2018

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