Neues zur Weinkultur im Rheingau

Tagung „Der Rheingau als Kulturlandschaft zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik“

Am 6. November 2021 hatten sich die Stiftung Kloster Eberbach, die Hessische Landeszentrale für politische Bildung und das Hessische Landesarchiv, Abt. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden zusammengetan, um auf einer Wissenschaftlichen Tagung in Kloster Eberbach das Thema „Der Rheingau als Kulturlandschaft zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik“ zu diskutieren. In vier Abschnitten wurden folgende Themenkreise in Vorträgen und Diskussion mit einem interessierten kundigen Publikum besprochen:


– Standortbestimmung: Der Rheingau als Kulturlandschaft
– Weinbau im Rheingau zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik
– Der Rheingau und der Nationalsozialismus
– Rheingau und Weinbau im 21. Jahrhundert: Historische Prägungen und neue Impulse in Gegenwart und Zukunft


Besondere Aufmerksamkeit, auch in der Presseberichterstattung, fand unter anderem das Thema Nationalsozialismus, wozu die Stiftung Kloster Eberbach bereits Forschungen in Auftrag gab und publizierte (siehe Buchbesprechung Koch, Kloster Eberbach im Nationalsozialismus auf Seite 30 unter Rezensionen in dieser Mitteilung).


Verein zur Förderung des Historischen Weinbaus im Rheingau e. V. (www.historischer-weinbau.de)


1. Projekt „Weinhistorische Plattform“
Mit der „Weinhistorischen Plattform“ hat der Verein zur Förderung des Historischen Weinbaus im Rheingau e. V. ein Informationsangebot geschaffen, das die bekannte Weinbauregion noch einmal in ein neues Licht setzt. Das Projekt wurde unterstützt mit Fördermitteln aus dem LEADER-Programm der EU, dem Förderfonds der Landwirtschaftlichen Rentenbank und vom Hessischen Umweltministerium. Ein weiterer Erfolg ist, dass die „Weinhistorische Plattform“ nun auch über die Datenbank www.kuladig.de „Kultur.Landschaft.Digital“ des Landschaftsverbandes Rheinland (RVL), des Landesamts für Denkmalpflege Hessen (LfDH) und des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) aufgerufen werden kann.
Die Objekte und Fakten sind nach einem festen Gliederungsschema geordnet:
– Geographische Abgrenzung
– Beginn des urkundlich belegten Weinbaus
– Die Rolle der Klöster für die Entwicklung des Weinbaus
– Expansion und wirtschaftliche Blüte des Weinbaus im Hoch- und Spätmittelalter
– Niedergang des Weinbaus zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert
– Säkularisierung und struktureller Wandel ab dem 19. Jahrhundert
– Der Rheingau heute
– Thematische Kategorien der Geschichte des Weinbaus

Dazu sind bereits jetzt zahlreiche Informationen, Fotos und Karten hinterlegt, die in mehreren Schichten hintereinander immer detailliertere Einblicke in Kulturgüter und Landschaft ermöglichen.


2. Projekt Historische Rebsorten
Wer sich über historische Rebsorten im Rheingau informieren will, dem steht jetzt im Internet eine Broschüre zur Verfügung, die den Titel trägt: „So schmeckt Geschichte ‚Wege zum Wein‘ – Historische Rebsorten in tausendjähriger Kulturlandschaft“. https://weinbau.wolkesicher.de/s/9BsRbQcmGZYGZik. Darin sind auch Weingüter verzeichnet, die entsprechende Weinberge angelegt haben und Spezialitäten daraus anbieten.
Seit Anfang 2022 verweist der Verein darüber hinaus auf seiner Homepage auf ein Verzeichnis historischer Rebsorten: https://historischer-weinbau.de/2022/01/04/roter-riesling-gelber-orleans-hartblau-tauberschwarz-historische-rebsorten/.


3. Projekt Historischer Rebensatz
Der „Historische Rebensatz“ ist die Rheingauer Variante eines „Gemischten Satzes“, wie er seit vielen Jahrhunderten im Rheingau bekannt ist. Die Bezeichnung ist aber EU-rechtlich als traditionelle Bezeichnung ausschließlich für Weine aus Österreich zugelassen.
Mit seiner Initiative möchte der Verein den Anbau historischer Rebsorten stärken und traditionelle Anbaumethoden reaktivieren. Dies sieht er als Beitrag für eine höhere Biodiversität, aber auch als Instrument zur erleichterten Vermarktung durch interessierte Weingüter. Denn eine Besinnung auf Tradition muss sich auch wirtschaftlich rechnen, nur so wird der Verbraucher ein außergewöhnliches Produkt genießen können.
Dem Verein gelang es nun, Unterstützer für sein Anliegen zu finden. Die Schutzgemeinschaft Rheingau und der Hauptausschuss des Rheingauer Weinbauverbandes haben das Vorhaben angenommen. Vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Bundesanstalt und der EU-Kommission könnte es in Zukunft trockene Rheingauer Weine mit der Bezeichnung „Historischer Rebensatz“ geben, die aus mindestens fünf vor dem Jahr 1900 dokumentierten historischen Rebsorten stammen, die in einer Bewirtschaftungseinheit angebaut, die gemeinsam gelesen, gekeltert und ausgebaut worden sind. Unabhängig davon ist der „Rheingauer Historische Rebensatz“ als Marke eingetragen worden.
Der Verein organisierte und organisiert auch zukünftig Verkostungen solcher Weine in Zusammenarbeit mit den Weingütern und anderen Partnern.

 

Weine probieren und kritisieren? – Die Johannisberger Weinkritik wird 75 Jahre alt

Die schweren Kriegsjahre von 1939 bis 1945 und einige Nachkriegsjahre hatten den Wein knapp und das Weintrinken zu einem Luxus werden lassen. Auch die Zusammenarbeit innerhalb des Winzerstandes hatte stark gelitten, sodaß einige Johannisberger Winzer und Weinfreunde spontan den Entschluß faßten, diesen Kriegsfolgen entgegenzuwirken und im Interesse des Weinbaus und des Weines sich gegenseitig auszutauschen und hierfür zeitlich bestimmte Treffen festzulegen ...“

In diesem Sinne gründete 1946 eine kleine Gruppe um den damaligen Domänenrat von Schloss Johannisberg, Christian Labonte, die Johannisberger Weinkritik. Bei monatlichen Treffen wurden heimische und andere Weine „probiert, fachlich besprochen und sensorisch kritisiert“. Lange Jahre fanden festliche Weinproben statt, deren Probelisten noch heute alle Weinliebenden begeistern.
Zu den selbstgestellten Aufgaben der Weinkritik gehört auch die Gestaltung und Pflege des Johannisberger Wein-Wanderwegs (siehe www.weindorf-johannisberg.de/johannisberg/johannisberg_wein-wander-weg.htm).

Inzwischen gibt es weibliche Mitglieder und solche, die nicht selbst im Weinbau tätig, aber dem Wein eng verbunden sind. Man trifft sich in loser Folge, die durch die Corona-Beschränkungen unterbrochen wurde. Die letzte große Weinprobe mit Johannisberger Weinen erinnerte 2017 an die Urkunde von Ludwig dem Frommen (817). Sie bezeugt nicht nur den Weinbau am Elsterbach, der durch Johannisberg Grund fließt, sondern nennt auch konkret Flächen und Erträge.
2025 wird es eine Aufgabe der Weinkritik sein, für ein gebührendes Gedenken an die (Wieder-)Entdeckung der Spätlese 1775 zu sorgen und den spezifischen Beitrag des damaligen Benediktiner-Klosters zur zukunftsfähigen Absicherung des „Ohngefährs“ (Zufalls) erneut in den Blick zu nehmen.

Zu den besonders aktiven Mitgliedern der Weinkritik gehörte übrigens unser hochverdienter Dr. h.c. Josef Staab, der in unserer Gesellschaft für Geschichte des Weines und besonders für den Rheingau bleibende Beiträge zur Weingeschichte erarbeitet und publiziert hat.

Die Zitate in dieser Mitteilung sind dem Band „Der Johannisberg – sein Kultur- und Vereinsleben (Hrsg.: Förderkreis Weindorf Johannisberg e.v., 1991) entnommen, in dem Erwin Boos auf den Seiten 76 bis 79 die Weinkritik vorstellt.
Mehr zu den erwähnten Personen Christian Labonte und Dr. h.c. Josef Staab findet sich in unseren Biographien zu Persönlichkeiten der Weingeschichte.

Ansprechpartner für Mitglieder unserer Gesellschaft, die sich für die Weinkritik interessieren, ist Prof. Dr. Leo Gros, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.


Mit Eisenschlüssel am Lederband – Rheingauer Weinkovent feiert sein 50jähriges Bestehen

Am Anfang stand ein Besuch der Johannisberger Weinkritik, die 2021 75 Jahre alt wird, in Burgund. Gastgeber war das Chapitre des Vendanges der Confrérie des Chevaliers du Tastevin. Konnte das ein Vorbild für einen „festen und begeisterungsfähigen“ Freundeskreis sein, in dessen Mittelpunkt der Rheingauer Wein steht?
1971 wurde der Verein „Rheingauer Weinkonvent“ ins Vereinsregister eingetragen.
Namhafte Weinpersönlichkeiten prägten den Konvent in den letzten 50 Jahren. Er hat derzeit etwa 650 Mitglieder. Sie sind regelmäßig zu weinfachlichen, geselligen und informativen Veranstaltungen eingeladen. Dazu gehören auch viele Betriebsbesichtigungen und Weinproben. Am Samstag 18. September 2021 bietet die Jubiläumsweinprobe im Laiendormitorium in Kloster Eberbach 22 junge und gereifte Weine bis zurück ins Gründungsjahr.

Der Weinkonvent gehörte viele Jahre lang auch zu den Herausgebern der Zeitschrift RHEINGAU FORUM (siehe unten im Text).

Die 114seitige Festschrift 50 Jahre Rheingauer Weinkonvent Kloster Eberbach 1971-2021 können interessierte Mitglieder der GGW soweit der Vorrat reicht anfordern unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. (Iris Röder).

www.rheingauer-weinkonvent.de


RHEINGAU FORUM – Schriftenreihe für Kultur und Geschichte der Region Rheingau

Das RHEINGAU FORUM widmet sich insbesondere auch der Geschichte des Weines und der Weinkultur

Die Gesellschaft zur Förderung der Rheingauer Heimatforschung e.V. entschloss sich 1992 unter der Führung von Dr.h.c. Josef Staab und Prof. Dr. Paul Claus – beide den Mitgliedern der GGW wohlbekannte Fachleute – in der Nachfolge älterer Periodika zur Region Rheingau eine zunächst viermal, inzwischen zweimal jährlich erscheinende Schrift zu publizieren, die auch vom Freundeskreis Kloster Eberbach, den Geisenheimer Wein-Reimern e.V. und den Lorcher Weinjunkern mit herausgegeben wird.
Auf der Internetseite der federführenden Gesellschaft können Beiträge zur Weingeschichte nach Stichworten über die Suchfunktion des Computers ermittelt werden.
Die Gesellschaft hat seit kurzem einen neuen Vorstand und arbeitet intensiv an der Weiterführung und Umgestaltung der kulturhistorisch orientierten Schrift.
Vorsitzender ist der Historiker Oliver Matthias, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

www.rheingauer-heimatforschung.de
www.rheingauer-heimatforschung.de/rheingau-forum.html

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