2025: Der Karthäuserhof in Eitelsbach. Die Geschichte eines Weinguts

Kessler, Marzena/Tyrell, Marcel: Der Karthäuserhof in Eitelsbach. Die Geschichte eines Weinguts. Verlag für Geschichte & Kultur, Trier, 1. Auflage 2024, 168 Seiten. ISBN: 978-3-945768-39-6. 49,00 Euro.

Die Ruwer ist ein Nebenfluss der Mosel, dessen Steillagen im Unterlauf überwiegend mit Rieslingreben bestockt sind. Die geschichtlichen Wurzeln des Weinbaus in diesem Seitental der Mosel sind bereits in einer Urkunde des 8. Jahrhunderts fassbar. Nicht ganz so weit zurück geht die Geschichte des Karthäuserhofs, über die ein Buch berichtet, das jüngst im Trierer Verlag für Geschichte & Kultur erschienen ist. Die mit zahlreichen Abbildungen und aufschlussreichem historischen Kartenmaterial versehene Schrift umfasst 167 Seiten. In zehn Kapiteln wird die Historie des Weingutes aufgeblättert, die über weite Strecken eine Erfolgsgeschichte ist, aber auch ihre dunklen Seiten hat. Das sind die Wirrungen der 1920er bis 1940er Jahre, womit hauptsächlich die Auseinandersetzung um den Vertrieb leicht gezuckerter Weine des Jahrgangs 1922 außerhalb der Weinversteigerungen gemeint ist und vor allem die Mitte der 1980er Jahre strafrechtlich verfolgte Weinfälschung durch Nachverbesserung fertiger Weine mittels Zusatz von Saccharose. Personelle Konsequenzen blieben nicht aus. Im vorletzten Kapitel lässt sich studieren, welche Effekte die unter der Regie von Christoph Tyrell (Winzer des Jahres 1997 und 2005) begonnene Neuausrichtung des Weingutes hat, welches Potential in den Böden steckt, die jetzt biodynamisch bearbeitet werden und wie groß die wiedergewonnene Anerkennung der Fachwelt ist. 2012 übernahm Albert Behler. Das Weingut Karthäuserhof ist Mitglied im VDP.

Die Anfänge des Klostergutes lassen sich bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückverfolgen. Eine auf den 29. August 1335 datierende Schenkung des Trierer Kurfürsten und Erzbischofs Balduin von Luxemburg, mit der der Hof Ysilspach (Eitelsbach) samt seinen Weingärten den in Trier ansässigen Kartäusern übereignet wird, legt den Grundstein für das noch heute existierende renommierte Weingut und seine Monopollage Karthäuserhofberg. Es beginnt eine lange Geschichte der klugen Zukäufe und Tauschgeschäfte. Bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts ist der dauerhafte Fortbestand des Guts als eine zusammenhängende Einzellage garantiert. Im Zuge der französischen Revolution verliert der Kartäuserorden seinen Besitz. Die Ferme dite Karthäuserhof, wie es in einer Liegenschaftskarte von 1813 heißt, wird zunächst von der Domänenverwaltung verpachtet und schließlich 1811 versteigert. Der Trierer Kaufmann und Immobilienhändler Valentin Leonardy erhält den Zuschlag. Er wechselt die Profession und „entwickelt sich mit großem persönlichen Engagement zu einem wahren Winzer“. In der langen Reihe von Repräsentanten der Eigentümerfamilien ist er bei weitem nicht der Einzige, der fachfremd startet. Die Geschäfte liefen, begünstigt durch die Zollpolitik der neuen, preußischen Landesherren, anfänglich so gut, dass das Weingut bereits 1822 als abbezahlt verbucht werden konnte. Der Grundbesitz wurde im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts, wie eine Sammlung von 84 Kaufverträgen im Hausarchiv des Hofs dokumentiert, trotz der nicht mehr ganz so günstigen Rahmenbedingungen kontinuierlich erweitert. In den 1860er Jahren befindet sich das Weingut unter der Führung von Karl Wilhelm Rautenstrauch (1828 – 1896), der seine Weine auf den Weltausstellungen in London (1862) und Wien (1873) präsentiert, „auf dem Weg zu Weltruhm“. Die Abkehr vom „gemischten Satz“ und der durch günstige klimatische Bedingungen geförderte Umstieg auf reinen Rieslinganbau ab der Mitte des Jahrhunderts waren Treiber dieser Entwicklung. Die erste Auslese wird bereits 1865 erzeugt. Der kommerzielle Erfolg bleibt nicht aus: 1882 erzielt das Weingut für ein Fuder Riesling Auslese aus der Lage Kronenberg 3000 Mark, was in etwa der Kaufkraft von 23.000 Euro entspricht. Ab Mitte der 1920er Jahre gelingt den Erzeugern die Vermarktung der eigenen Weine in Flaschen. Auf dem Karthäuserhof werden 1934 im Direktvertrieb mehrere Hundert Flaschen an Privatkunden verkauft. „Der Übergang zum modernen Weinhandel war damit vollzogen“. Das Etikett mit der rebenumkränzten Meerkatze im Abtswappen der Kartäuser, welches bereits die älteste, noch erhaltene Flasche (mit Wein des Jahrgangs 1893) ziert, verdient allerdings besondere Beachtung: Die traditionelle Halsschleife der Weine vom Karthäuserhof hat den gleichen besonderen Blauton, der seit 1839 den Markenauftritt des Eau de Cologne 4711 begleitet.

Die vorliegende, detailreiche und flüssig geschriebene Geschichte des Weingutes Karthäuserhof ist von Marzena Kessler und dem als Winzer ausgebildeten, heute in der universitären Forschung und Lehre tätigen Wirtschaftswissenschaftler Marcel Tyrell verfasst.  Marzena Kessler, die zuvor das auch für die allgemeine Geschichte des Weinbaus im Ruwertal und der Vermarktung seiner Gewächse ergiebige Hausarchiv des Karthäuserhofs gesichtet und geordnet hat, ist Bauhistorikerin. Auch solche Leser, die bisher eine detaillierte Beschreibung und Einordnung der im Original erhaltenen, historischen Ausstattung des Gutshauses und des auch im Übrigen bedeutenden, denkmalwerten Baubestandes vermisst haben, kommen auf ihre Kosten. Ein Quellen- und Literaturverzeichnis rundet den reich illustrierten und sorgfältig lektorierten Band ab.

Peter Schuh, Trier

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