Csizmazia, József (1918-2013)

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Dr. József Csizmazia

József CSIZMAZIA – Dr., ungarischer Rebenzüchter und Weinbaufachmann.
* 15.7.1918 in Balatonfüred (Ungarn);
† 6.9.2013 in Budapest.
Vater: Nach seiner Adoption trug er den Familiennamen Csizmazia Darab.
Ehe mit Blanka Barkany; 3 Kinder (József, István und ?).

Er wuchs in einer traditionellen Winzerfamilie auf.
Nach dem Abitur im Jahr 1938 verfolgte er zunächst die Absicht, den Beruf des Winzers zu erlernen, um später den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Seine Ausbildung begann er in Szarvas, einer kleinen Stadt in der Ungarischen Tiefebene östlich von Kecskemét.
Eine, wie er stets betonte, wichtige Station in seiner Jugendzeit war 1939 sein Aufenthalt als Winzerlehrling im Weingut Rotenfels in Bad Kreuznach. Eine weitere Station im Rahmen seiner Winzerausbildung war 1940 die (heutige) Höhere Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg (Österreich).
Die Verstaatlichung des Privateigentums in Ungarn nach dem Krieg verwehrte ihm den Berufswunsch eines selbstständigen Winzers und so entschloss er sich zum Studium der Agrarwissenschaften, das er 1947 erfolgreich abschloss.
Sicherlich beflügelt und inspiriert durch die große Tradition ungarischer Rebenzüchter, übernahm der junge Akademiker 1948 die ihm angebotene neue Tätigkeit in der Rebenzüchtung am Forschungsinstitut in Eger an.
Parallel zu seiner dortigen Tätigkeit als Rebenzüchter promovierte er 1960 an der Universität Budapest zu dem Thema „Resistenzzüchtung und die Verwendung von peronosporaresistenten Rebsorten im Weinbau“. 1974 folgte die Kandidatur bei der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1980 widmete er sich am Forschungsinstitut für Weinbau und Kellerwirtschaft in Eger sowohl der Klonenzüchtung als auch der Kreuzungszüchtung von Unterlags- und Edelreissorten. Seine große Leidenschaft galt jedoch zweifellos der Entwicklung schädlingsresistenter Keltertraubensorten. Aufbauend auf dem vorhandenen Zuchtmaterial mit Resistenzmerkmalen entwickelte er (oder gemeinsam mit anderen Züchtern) eine Vielzahl von Kelter- und Tafeltraubensorten mit verbesserter Qualität. Hierzu zählen u.a. Aletta, Aron, Bianca, Bíborfrankos, Gárdonyi Géza, Göcseji zamatos, Gyöngyrizling (Perlriesling), Lakhegyi mézes, Lilla, Medina, Nero, Titan, Turán, Viktor, Zala gyöngye (Perle von Zala).

Er gilt sicherlich auch als einer der Pioniere bei der Nutzung von Erbgut asiatischer Wildarten in der Resistenzzüchtung. Neben seiner Züchtungsarbeit war die Sammlung von Briefmarken, vor allem mit Rebenmotiven, seine zweite große Leidenschaft.
Trotz vieler Widrigkeiten gelang es ihm in all den Jahren, den Kontakt zu seinen Kollegen jenseits des Eisernen Vorhangs aufrecht zu erhalten. Dank seiner deutschen Sprachkenntnisse war er bei Besuchen vieler deutscher Weinbaufachleute in Ungarn ein äußerst kompetenter Fachmann und Ansprechpartner. Sein großes Fachwissen, aber auch seine Bescheidenheit und sein vornehmer Stolz zeichneten ihn aus.

Ehrungen:
• 11.3.1994 Peter-Morio-Preis von der "Gemeinschaft der Förderer und Freunde des Instituts Geilweilerhof e.V."
• Rudolf-Fleischmann-Preis (in Ungarn)
• Pál-Kocsis-Preis (in Ungarn)

Veröffentlichungen:
• Neues agrotechnisches Verfahren in der Rebenzüchtung. In: Wein-Wissenschaft. Wiesbaden 1964.
• Ziele und Aufgabe der ungarischen Rebenzüchtung. Pressemitteilung Nr. 40 anlässlich des Weinbau-Wissenschaftlichen Kolloquiums des 46. Deutschen Weinbaukongress in Stuttgart 1966.
• Ungarns Rebsorten. In: Hillebrand, W.: Taschenbuch der Rebsorten. Fachverlag Dr. Fraund, Wiesbaden 1972; S. 349-360.
• Erfolge der Peronospora-Resistenz-Züchtung in Ungarn. In: Wein-Wissenschaft 1977.
• Heutiger Stand und Probleme des ungarischen Weinbaus. Vortrag im Geilweilerhof, Siebeldingen 1979.
• Viktor, Perle von Zala x Kazatschkah – eine Polyvitis-Hybride. In: Deutsches Weinbau-Jahrbuch, Waldkircher Verlag 1993; S.63-65.
• Interspezifische Züchtungsergebnisse in Ungarn. Vortrag zur Verleihung des Peter-Morio-Preises. In: Geilweilerhof Aktuell, 1994, Heft 2.
• Nero – eine ungarische interspezifische Tafeltrauben-Neuzüchtung. In: Deutsches Weinbau-Jahrbuch, Waldkircher Verlag 1994; S. 63-66.
• Bianca – interspezifische Neuzüchtung aus Ungarn. In: Das Deutsche Weinmagazin. 1995, Nr. 2.; S. 25-26.
• Kernlose interspezifische Reben in Eger, Gruppe „Rosina”. In: Deutsches Weinbau-Jahrbuch. Waldkircher Verlag 1995; S. 91-92.
• Ungarische Weingegenden auf Briefmarken. In: Deutsches Weinbau-Jahrbuch, Waldkircher Verlag 1999; S. 263-266.

Quellen:
• Alleweldt, G.: Laudatio bei der Verleihung des Peter-Morio-Preises. Geilweilerhof am 11.3.1994.
Wikipedia

Autoren:
Dr. Fritz Schumann, Bad Dürkheim – Ungstein;
Dr. Rudolf Eibach, Geilweilerhof;
Dr. Wolfgang Thomann, Ingelheim