Jahrestagung vom 25.-30. Mai 2022 in Retz

Unsere Jahrestagung 2022 mit Mitgliederversammlung findet statt vom 25. bis 29. Mai 2022 in Retz im Weinviertel (Niederösterreich) in Kooperation mit dem Haus des Deutschen Ostens in München.

Spannende Programmpunkte warten auf Sie!
Im Mittelpunkt der Tagung stehen Geschichte und Gegenwart des Weinbaus im Weinviertel und in den Nachbarregionen in Ostmitteleuropa mit wissenschaftlichen Vorträgen namhafter Referenten.
Besonderer Schwerpunkt: Historische und aktuelle Rolle der Deutschen Minderheiten in Mähren, der Slowakei, Ungarns und Rumäniens im Weinbau

Programm der Jahrestagung 2022 in Retz
 
Mittwoch, 25. Mai 2022
Anreise und gemeinsames Abendessen
 
Donnerstag, 26. Mai 2022
9.30 Uhr              Begrüßung
10.00 Uhr            Mitgliederversammlung (für Nichtmitglieder: Möglichkeit zum Besuch der Mährischen Galerie in Retz)
12.00 Uhr            Mittagessen
15.00 Uhr            Führung durch die Stadt und Kellerwelt in Retz
19.00 Uhr            Ein Abend rund um Wein und Kulinarik im Weinquartier Retz
 
Freitag, 27. Mai 2022
Symposium zur Weingeschichte in Niederösterreich und in den Nachbarregionen in Tschechien, Rumänien und Ungarn
9.30 Uhr              Prof. Dr. Andreas Otto Weber: Einführung in die Tagungsthematik
10.00 Uhr            Prof. Dr. Andreas Otto Weber (Erlangen/München): Bistümer und Klöster als Förderer der Weinkultur in Niederösterreich im Mittelalter
10.45 Uhr            Kaffeepause
11.00 Uhr            Vorstellung des Forschungsprojekts „Klosterhöfe in der Wachau“ am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (IMAREAL) in Krems
11.30 Uhr            Ph. Dr. Martin Markel (Masaryk-Universität Brno): Die Winzer in Mähren und ihre Besitz- und Rechtssituation im 18. und 19. Jahrhundert
12.15 Uhr            Dr. Bernd Müller Kaller: Weinbau der Fürsten Liechtenstein in Mähren in der Frühen Neuzeit
13.00 Uhr            Imbiss
14.00 Uhr            Prof. Dr. Karl Vocelka (Universität Wien): Buchvorstellung Wein in Österreich: Die Geschichte
14.45 Uhr            Prof. Dr. Andreas Otto Weber (Erlangen/München): Deutschsprachige Siedler und Minderheiten und der Weinbau in Südosteuropa
15.30 Uhr            Kaffeepause
16.00 Uhr            Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben als Winzer in Rumänien und Ungarn: gestern und heute. Mit Weinprobe
abends                Öffentliche Abendveranstaltung mit Festvortrag von Prof. Dr. Erich Landsteiner (Universität Wien) zur Geschichte des Weinbaus in Retz und im Weinviertel im Rathaus der Stadt Retz
 
Samstag, 28. Mai 2022
Exkursion nach Mähren
 
Sonntag, 30. April 2022
Möglichkeit zum Besuch eines Weingutes im Weinviertel
Abreise

 

Das ausführliche Programm mit Anmeldekarte erhalten Sie mit der Mitteilung 1/2022.

Für die Teilnehmer der Gesellschaft für Geschichte des Weines e.V. sind in Retz entsprechende Hotelzimmerkontingente reserviert. Sie können uns bei der Planung helfen, wenn Sie vorab Ihren Teilnahmewunsch unter dem Stichwort “Tagung Retz” an folgende E-Mail-Adresse schicken:

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Geschichte und Gegenwart des Weinbaus im niederösterreichischem Weinviertel und in den Nachbarregionen in Ostmittel- und Südosteuropa

Zum Hintergrund des Tagungsthemas

Die "Topographia Archiducatus Austriae inferioris" von 1672 enthält einen Kupferstich von Georg Matthias Vischer, der die Stadt Retz zeigt. Man sieht darauf eine von Mauern umringte Stadt mit zinnenbewehrten Häusern, verschiedenen Türmen und einem herrschaftlichen Bau am Rand. Im Vorder- und Hintergrund ist eine aus ausgedehnten Weingärten bestehende, die ganze Umgebung einnehmende Rebenmonokultur zu erkennen. Alleine dieses Bild deutet schon auf die herausragende Rolle hin, die der Weinbau in der Umgebung der Weinstadt Retz in Niederösterreich im 17. Jahrhundert gespielt hat und bis heute spielt. Unter der Stadt verborgen erstreckt sich der größte historische Weinkeller Österreichs als weit verzweigtes Labyrinth mit bis zu drei Geschossen, der als „Retzer Erlebniskeller“ heute die wichtigste Sehenswürdigkeit des Ortes ist. Retz liegt in dem Teil Niederösterreichs, der als „Viertel unter dem Manhartsberg“ bis heute auch den Namen Weinviertel trägt. Retz liegt unweit der tschechischen Grenze, hinter der die ehemalige Markgrafschaft Mähren beginnt. Im südlichen Mähren entwickelte sich ebenfalls seit dem Mittelalter eine weit verbreitete Weinkultur, getragen von Klöstern, Stadtbürgern und dem Adel. Auch hier entwickelten sich regelrechte Weinstädte wie das nahe Retz gelegene Znojmo/Znaim das ebenfalls eine beeindruckende, der Weinlagerung dienende Unterwelt besitzt.

Die Frühjahrstagung der Gesellschaft für Geschichte des Weines wird sich vor allem der Weingeschichte dieser zwei benachbarten und auch in Konkurrenz um den Weinmarkt gestandenen Weinregionen widmen. Aber in einem Teil der Tagung weiten wir den Blick noch weiter in den Osten: Nach Rumänien und Ungarn. Die ungarischen Könige nahmen im hohen Mittelalter zahlreiche Siedler aus dem deutschen Sprachraum auf, besonders in seiner nördlichen Grenzregion Siebenbürgen, die seit 1918 zu Rumänien gehört. Die hier siedelnden Siebenbürger Sachsen stammten zum Teil aus dem modelfränkischen Raum und begründeten hier eine bedeutende Weinkultur. Nach den „Türkenkriegen“ musste der zum Teil stark verwüstete Süden Ungarns neu in Wert gesetzt werden. Die Habsburger warben deshalb als ungarische Könige erneut Siedler aus dem Westen an. Von Ulm in Schwaben aus wurden während des ganzen 18. Jahrhunderts so die „Donauschwaben“ in Schiffen donauabwärts gebracht und im Vielvölkerland Ungarn angesiedelt. Bis heute gibt es im südlichen Ungarn zahlreiche Weingüter, die von Nachfahren dieser Einwanderer betrieben werden.

 

Abbildung: Kupferstich von 1672 von Georg Matthias Vischer aus "Topographia Archiducatus Austriae", Privatbesitz

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