Der Wein des Vergessens

Bernhard Herrman; Robert Streibel:
Der Wein des Vergessens.

Wien, Salzburg: Residenz Verlag 2018.
256 Seiten mit 24 Seiten Abbildungen.
ISBN 978-3-7017-1696-8. EUR 24,-
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Der Wein des Vergessens ist ein dokumentarischer Roman und handelt von der Arisierung des Weinguts Sandgrube, das sich heute im Besitz der Winzergenossenschaft Krems befindet. Das Buch kam zustande, weil der Mitautor Bernhard Herrman eine Schatulle mit Briefen, Tagebüchern und Fotos der ehemaligen Eigentümer erbte.
Das Weingut Sandgrube gehörte Paul Robitschek, einem vermögenden jüdischen Weinhändler in Wien. Robitschek war nicht nur Jude, sondern zudem homosexuell und führte eine Beziehung mit dem Lebemann August Rieger. Bereits vor 1938 hatten die Kremser ein Auge auf das Weingut geworfen, denn sie wünschten eine Genossenschaft zu gründen. Doch Robitschek hatte gerade noch rechtzeitig an seinen Partner Rieger überschrieben. Verwalter der Sandgrube wiederum war Albert Herzog, der Onkel des Mitautors Bernhard Herrman. Es gelang den Kremsern unter der Führung von NS-Bauernführer Franz Aigner, das Gut an sich zu bringen. Sie denunzierten Robitschek und Rieger, die als homosexuelles Paar infolgedessen verhaftet wurden und nur knapp der Deportation entgingen. Robitschek konnte flüchten und baute sich später in Venezuela eine neue Existenz auf, Rieger wurde mehrfach verhaftet. Das einstige Paar fand nie mehr zueinander. Robitschek wurde für das angeeignete Gut teilentschädigt, ein Rechtsstreit endete im Vergleich.
An diesen seriös recherchierten historischen Eckdaten orientiert sich der Roman und lässt die Leser eindrücklich teilhaben am Schicksal der Hauptfiguren.
Bei der Winzergenossenschaft Krems reagierte man zunächst ausgesprochen ablehnend. Erst nach dem Erscheinen des Buches, dem schnell eine große Aufmerksamkeit zuteil wurde, erkannte man die Brisanz des Themas und lenkte ein. Mittlerweile hat die Winzergenossenschaft Krems selbst eine namhafte Historikerin beauftragt, um das Thema aufzuarbeiten.
Der Roman von Robert Streibel und Bernhard Herrmann ist ein hervorragend geschriebenes, spannendes und wichtiges Buch. Natürlich ist der Fall von Krems nicht singulär; zahlreiche Unternehmen, darunter auch andere Weingüter und Genossenschaften, gründen auf Arisierungen. Eine Aufarbeitung hat indessen bis heute kaum stattgefunden. Dabei geht es, wie im Falle von Krems, nicht um Schuldzuweisung, sondern vielmehr um die richtige Darstellung der Gründungsgeschichte.

Verfasserin: Dr. Christine Krämer, Stuttgart

Aus: Mitteilung der GGW 2/2019

Weinbau an der Nahe – vom Probierstübchen der deutschen Weinlande zum selbstbewussten Anbaugebiet

Dr. Peter Fuchß:
Weinbau an der Nahe – vom Probierstübchen der deutschen Weinlande zum selbstbewussten Anbaugebiet.

Selbstverlag, Bad Kreuzach 2018. 76 Seiten mit zahlreichen farbigen und s/w Abbildungen. EUR 5,-
Bezug über: www.Weinbuch-Versand.de (Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )

Während das Anbaugebiet Nahe in heutiger Zeit in der deutschen Weinlandschaft einen festen Begriff darstellt und jeder Weinliebhaber an die qualitativ hochwertigen, nuancenreichen Rieslingweine denkt, war das in früheren Jahrhunderten nicht der Fall. Erst in den letzten Jahrzehnten ist die Nahe aus dem Schatten der benachbarten großen Anbaugebiete herausgetreten und wird als eigenständiges und nicht verwechselbares Anbaugebiet wahrgenommen. Die vielen unterschiedlichen geologischen Formationen aber auch die verschiedenen Mikroklimaten bilden beste Voraussetzungen für die große Weinvielfalt mit den unterschiedlichsten Rieslingtypen.
Peter Fuchß, dem der „Stallgeruch“ anhaftet, hat den Naheweinbau von Kind auf erlebt und damit auch die Entwicklung des Naheweinbaus und ebenso intensiv den Aufstieg des Naheweins mitbegleitet. In seinem Beitrag, so bekennt er selbst, „will er nicht im Einst verharren, er will vor allem die Entwicklung der letzten Jahre darstellen, die der Nahe Dynamik und Zukunftsperspektive vermittelt“.
Ausgehend von der Historie des Naheweinbaus über die Darstellung des Einflusses von Klöstern und Adeligen im Mittelalter beschreibt er die Zerrissenheit des Anbaugebietes nach der französischen Epoche, nach der das Anbaugebiet Bayern, Preußen und Hessen-Darmstadt zugeschlagen wurde. Erst nach und nach kam es zu dem uns heute bekannten Nahe-Anbaugebiet. So ist es nicht verwunderlich, dass der erzeugte Wein in früherer Zeit meist als „Rheinwein“ verkauft wurde. Die Bezeichnung „Nahe“ wurde nur beim Weinexport als Herkunft gewählt. Seit gut 50 Jahren erst muss jeder Qualitäts- und Prädikatswein den Namen des Anbaugebietes tragen. Der Autor geht in seiner Schilderung auf die Pioniere des Naheweinbaus ein, die den Qualitätsweinbau wesentlich vorangetrieben haben und für die Bodenordnung sowie darauf aufbauend die Fortentwicklung der Mechanisierung in Weinberg und Keller kämpften.
Nach der Darstellung des enormen Strukturwandels bis in die Gegenwart befasst er sich auch mit der entscheidenden Frage, wohin die Entwicklung des Naheweins geht. Den Handicaps stellt er die umfangreichen Stärken und Chancen gegenüber.
Die Schrift soll dazu beitragen, dass sich der Leser mit der reichen Kultur der Region auseinandersetzt und dabei dem Nahewein noch näher kommt.

Verfasser: Dr. Gerhard Stumm, Bad Kreuznach
Aus: Mitteilung der GGW 2/2019

Günter Rühle

Günter RÜHLE – Winzer, Hochschul-Gartenbauingenieur.
* 12.1.1942 in Meißen;
† 22.5.2019 in Meißen.
Vater: Kurt Rühle; Mutter: Dora Pfeiffer.
Ehe mit Renate Schütze; Sohn: Carsten Rühle.

1990 wurde von ihm die Sächsische Weinbaugesellschaft unter dem Namen Weinbauverband Sachsen wieder gegründet und er war auch dessen erster Vorsitzender.
Besondere Verdienste erwarb er sich aber bei der Gründung der Sächsischen Weinstraße im Jahr 1992. Zu Recht bezeichnet man ihn wohl auch als Vater dieser Weinstraße.
Stationen seiner beruflichen Entwicklung im Einzelnen:
1962–1965 Gärtnerische Produktionsgenossenschaft Lößnitz: Ausbildung und Tätigkeit als Gärtner;
1965–1968 Fachschule für Gartenbau Werder: Abschluss als Gartenbauingenieur;
1968–1970 Volkseigenes Gut Radebeul: Weinbaubrigadier;
1970–1981 Institut für Mechanisierung der Landwirtschaft, Außenstelle Meißen: wissenschaftlicher Mitarbeiter;
1970–1973 Fernstudium an der Humbolt Universität Berlin: Abschluss als Hochschul-Gartenbauingenieur;
1981–1990 Sächsische Winzergenossenschaft Meißen: Weinbauberater;
1991–1993 Raiffeisenbezugs- und Handelsgesellschaft Coswig: Leiter Gartenbau;
1990–2005 Landschaftsgestaltung Coswig: Meister;
2002–2012 Vorsitzender der Weinbaugemeinschaft Spaargebirge.
Bekannt und geschätzt war er auch als Weinbauchronist und Koautor verschiedener Weinbücher.
Seit 2004 war er maßgeblich an der Gestaltung des Sächsischen Wein- & Winzerkuriers (später: Der Winzerkurier) als Fotograf und mit Textbeiträgen beteiligt.

Ehrung:
2016 Ehrenpräsident des Weinbauverbandes Sachsen.

Veröffentlichungen:
• Rühle u.a.: Weinreiseführer Deutschland. Saale-Unstrut/Elbe. Herford: Busse Seewald 1991.
• Böhme; Rühle: Die Sächsische Weinstraße. Winzer, Wirte und alte Weinbergsherrlichkeit. Meißner Tageblatt-Verlag 1993.
• Ambrosi; Breuer; Böhme; Rühle: Sachsen. Begleiter zu den Weinberg-Lagen, Winzern und ihren Küchen. Herford: Busse Seewald 1994.
• Böhme; Rühle: Mit Wort und Wein auf Winzerwegen. 200 Jahre Sächsische Weinbaugesellschaft. Großenhain: Gräser-Verlag 1999.
• Böhme; Rühle; Brüchner: Kalendergeschichten rund um den Sachsenwein. Meißen: Verlag Wort & Wein 2001.
• Böhme; Rühle: In der Tradition des kurfürstlichen Weingutes. 70 Jahre Sächsische Winzergenossenschaft Meissen eG. Meißner Tageblatt-Verlag 2008.
• Diverse Beiträge in: Deutsches Weinbau-Jahrbuch. Waldkirch i.Br. 1994, 1995, 1996, 1998, 1999, 2001, 2003.
• Diverse Beiträge in den Zeitschriften "Der sächsische Winzer", "Der deutsche Weinbau", "Rebe & Wein", "Vorschau und Rückblick in Radebeul".

Quellen:
• Angaben von der Familie Rühle;
• Archiv "Der Winzerkurier";
• Nachruf von Lutz Krüger in "Der Winzerkurier", Ausgabe 02/2019, S. 16.

Autor:
Werner Böhme, Meißen

Prof. Rudof Steurer

Rudolf STEURER – Professor Dr., Weinexperte, Weinkritiker, amtlicher Weinverkoster.
* 1924; † 2013.

Studium an der Hochschule für Welthandel in Wien.

Er ist Autor viel beachteter Weinbücher mit einer Gesamtauflage von über 250.000 Exemplaren und Verfasser zahlreicher Fachartikel. Besonders sein bereits in mehreren Auflagen (1995, 2003 u.a.) erschienenes „Weinhandbuch“ ist unter dem Begriff „Der Steurer“ zu einem Standardwerk sowohl für Winzer und sonstige Spezialisten als auch für Weinliebhaber geworden.
Weitere Bücher von ihm:
• Steurer: Österreichische Weine. Frankfurt a.M., Berlin, Wien 1979.
• Steurer: Die Weine Italiens. Zürich, Stuttgart, Wien 1983, 1989.
• Steurer: Welcher Wein zu welchem Essen. Zürich, Stuttgart, Wien 1983, 1985, 1989, 1991, 1993, 1997.
• Steurer: Die Weine in der Schweiz. Wien 1984.
• Steurer: Die Weine in Deutschland. Wien 1984.
• Steurer: Die Weine in Österreich. Wien 1984.
• Steurer; Siegl: Österreichischer Weinführer. Wien 1987, 1988, 1989, 1990, 1992, 1996. Mit zahlreichen Adressen und Beschreibungen von Weingütern.
• Steurer: Wiener Heurigenführer. Die Original-Buschenschenken. Wien 1989, 1996.
• Steurer; Thomann: Europäischer Wein-Almanach. Wien, Frankfurt a.M., Berlin 1990.
• Steurer; Thomann; Schuller: Welt-Wein-Almanach. Wien, München, Zürich 1992, 1997.
• Steurer: Heiteres Weinverkosten. Pölten, Wien 1993, 1998, 2001.
• Steurer: Steurers Weinratebuch – 300 Fragen rund um den Wein. Wien 1995.
• Steurer; Siegl: Die besten Weine Österreichs – Wein auf dem Prüfstand. Wien 1996, 1997, 1998, 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011. Das Buch basiert auf nationalen und internationalen Prämierungsergebnissen, auf Autoren-Beurteilungen und Weinpreisen.
• Steurer: Gesundheit und Wein. Wien 2000.
• Steurer; Siegl: Wein erkennen und genießen. Das Weinhandbuch für Einsteiger. Wien 2000.

Ehrung:
1988 Bacchuspreis, verliehen von ÖWM und Österreichischem Weinbauverband.

Quelle:
Wein-Plus-Glossar

Autoren:
Norbert Tischelmayer, Wien; Dr. Wolfgang Thomann, Ingelheim

Christian Busse: Weinbau und Weinrecht im Reichsland Elsass-Lothringen