Hlubek, Franz Xaver Wilhelm Ritter von (1802-1880)

 Franz Xaver Wilhelm Ritter von HLUBEK  österreichischer Agronom

* 11. September 1802 in Gobitschau bei Sternberg, Mähren (Chatischau in Österreichisch-Schlesien)

† 10. Februar 1880 in Graz

Vater: Simon Hlubek, Gutsbesitzer

Mutter: Thekla Machala

1) ⚭ N.N. † 1839 Tochter von Johann Schneditz, Gubernialrat u. Protomedicus d. Kgr. Illyrien

2) ⚭ in Graz 1843 Caroline (1811-1883) Tochter von Siegmund Edler v. Rainer zu Harbach (1762-1815) Dir. d. Gräfl. Friessischen Güter u. Hofagent b. d. Ministerial-Blanko-Deputation in Wien, u. d. Theresia Dobler

Ein Sohn und eine Tocher aus 1); ein Sohn zwei Töchter aus 2)

 

Hlubek besuchte das Gymnasium in Troppau und studierte von 1822 bis 1824 in Brünn Philosophie und danach in Wien Jura, Mathematik, Physik, Chemie und Landwirtschaft. H. wurde 1830 Professor für Land- und Forstwirtschaft in Wien, 1831 in Lemberg, 1834 am Lyzeum in Laibach. Ab 1840 lebte er dauerhaft in Graz und war bis 1865 Professor am Joanneum und anschließend bis 1867 an der Technischen Hochschule. Gleichzeitig leitete er den von Erzherzog Johann gegründeten landwirtschaftlichen Versuchshof und den Musterweingarten in Graz. Von 1850 bis 1874 fungierte er als Sekretär der Steirischen Landwirtschaftsgesellschaft. Er war Gründer und Herausgeber der „Landwirtschaftlichen Mitteilungen“, die als Wochenblatt der Gesellschaft erschienen. 1839 wurde seine „Statik des Landbaues“ von der Potsdamer Versammlung der deutschen Land- und Forstwirte preisgekrönt. Damit wurde seine Theorie der Bodenfruchtbarkeit allgemein anerkannt. H. geriet damit in scharfen Gegensatz zu Justus Liebigs Hauptwerk „Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie“ (1840). Die Auseinandersetzungen zwischen Liebig als dem Schöpfer der Mineraltheorie und den Anhängern der Humustheorie wurde zum Teil heftig geführt. Der Brennpunkt war der Kohlenstoff- und Stickstoffhaushalt der Böden. Liebig setzte sich in dem Streit letztendlich durch, lenkte jedoch ein und kannte auch der Bodenstatik und damit H. ihre Verdienste zu. H. stand mit seiner Theorie der Bodenfruchtbarkeit zwischen der Humustheorie von Jean-Henri Hassenfratz und Albrecht Thaer und der Mineraltheorie von Justus Liebig. Für den Weinbau sind seine Bücher über die Rebsorten und den Weinbau in Österreich am bedeutendsten.

Neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten war H. ein Verfechter eines „freien und unbelasteten Bauerntums“ und trat ab 1846 politisch hervor. 1848 folgte eine bauernfreundliche  Propagandaschrift. Im Sommer 1848 war er Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. 1859 erhielt er den Titel eines kaiserlichen Rats und war von 1861 bis 1867 Mitglied im Steiermärkischen Landtag. Er trat 1867 in den Ruhestand. H. verstarb am 10. Februar 1880 in Graz.

 

Ehrungen:

H. wurde am 11. August 1868 zum Ritter geadelt; 1870 erhielt er den Orden der Eisernen Krone.

 

Veröffentlichungen:

  • Die Ernährung der Pflanzen und die Statik des Landbaues, Prag 1841.
  • Beleuchtung der organischen Chemie des Dr. Liebig, Graz 1842.
  • Versuch einer Charakteristik und Klassifizierung der Rebsorten, Graz 1841.
  • Die Landwirtschaftslehre in ihrem ganzen Umfang, 2 Bde, Wien 1846.
  • Die Betriebslehre der Landwirtschaft, Wien 1853.
  • Die Bepflanzung des Karstes, Graz 1858.
  • Der Weinbau in Österreich, Graz 1864.
  • Die wichtigsten Lehren der Landwirtschaft, Graz 1867.
  • Maulbeerbaum und Seidenzucht, Graz 1880.

 

Quellen:

  • Meyers Konversationslexikon, Bd. 8, Leipzig 41890, S. 582.
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Xaver_von_Hlubek (aufgerufen am 5.5.2021)
  • Wolfgang Böhm: Art. Hlubek, Franz Xaver Ritter von, in: Biographisches Handbuch zur Geschichte des Pflanzenbaus, München 1997, S. 119-120.
  • Frauendorfer, Sigmund von, "Hlubek, Franz Xaver Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 278 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116917881.html#ndbcontent
  • E.A.: Franz Xaver Hlubek, in: Jurende's illustrirter vaterländischer Pilger. Gesellschafts- und Unterhaltungsblatt für alle Kronländer des österreichischen Kaiserstaates, 45. Jg. (3. Jg. NF), Wien 1858, S. 143.

 

Autor:

Prof. Dr. Ernst Rühl, Geisenheim

 

Bildnachweis:

Wikimedia Commons - Lithographie von August Prinzhofer, 1846, Foto: Peter Geymayer, https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Xaver_von_Hlubek

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