Ambrosi, Hans (1925-2012)

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Dr. Hans Ambrosi
Foto: Siebenbürgische Zeitung, 12.9.2012

Hans AMBROSI – Dr. agrar., Weinpublizist, Weingutsdirektor.
* 24.2.1925 in Mediasch (Siebenbürgen, Rumänien);
† 31.8.2012 in Rüdesheim a.R.

Besuch der Volksschule und des Stefan-Ludwig-Roth-Gymnasiums in seinem Geburtsort; Abitur am Hermannstädter Brukenthal-Gymnasium.
Frühzeitig war ihm klar, dass seine berufliche Zukunft in der Landwirtschaft lag, zumal er diesbezüglich durch seine Eltern und Großeltern vorbelastet war. Nach eigenem Bekunden wurde ihm der Wein bereits in die Wiege gelegt.
Nach Entlassung aus dem Kriegsdienst studierte er 1948–1951 an der Hochschule Stuttgart-Hohenheim mit Abschluss als Diplom-Landwirt.
Danach ging er nach Geisenheim an das Institut für Rebenzüchtung und Rebenveredlung, das unter der Leutung von Dr. Heinrich Birk stand, und er promovierte dort bereits 1953.
Als wissenschaftlicher Assistent wechselte er wieder an die Landwirtschaftliche Hochschule nach Stuttgart-Hohenheim, und zwar zum Institut für Obstbau. Doch hier war er nur zwei Jahre.
Als 1955 das südafrikanische Landwirtschaftsministerium einen Fachmann für Weinbau suchte, um an der Universität Stellenbosch eine Forschungsanstalt nach Geisenheimer Vorbild aufzubauen, nahm er diese Stelle an. Er wurde der Leiter der Weinbausektion und baute das „Nietvoorbij Institute for Viticultur und Oenology“ in Stellenbosch auf. Aus den vereinbarten sechs wurden elf Jahre, in denen sich der Siebenbürger zum "Südafrikaner" wandelte.

Dr. Hans Ambrosi
Foto: Siebenbürgische Zeitung, 24.3.2005

Wieder war es ein Ministerium, das seine Lebensplanung beeinflusste: Diesmal das hessische, das ihm die Verwaltung der Hessischen Staatsweingüter in Eltville anbot. 1966–1990 leitete er den damals größten Weinbaubetrieb Deutschlands und war auch für das berühmte Zisterzienser-Kloster Eberbach (eine der Domänen) zuständig, obwohl er eigentlich nie Beamter werden wollte und den Titel insgeheim verdrängte. Nicht verwalten war sein Ziel, sondern gestalten. Dass er dabei auch Konflikten mit seinen Dienstherren nicht aus dem Weg ging, gehört auch zu seiner Vita.
1966 – gleich zu Beginn seiner neuen Tätigkeit – wurde mit seiner Unterstützung in der Domäne Assmannshausen der erste Eiswein im Rheingau produziert. Er sorgte dafür, dass auch in den anderen Domänen diese Weine hergestellt wurden. Deshalb wurde er auch als "Eisweinkönig" bezeichnet, worüber er sich besonders freute.
In seiner Zeit begann man, das Kloster zu renovieren und für Konzerte zu nutzen. Diese dienten als Probeläufe für das Rheingau Musik Festival, das sich zu einem der bedeutendsten Musikfestivals der Welt entwickelte. Er war von Beginn an im Kuratorium des Festivals aktiv. Es ist sein Verdienst, dass die 850 Jahre alte Weinbautradition des Klosters eine spektakuläre Renaissance erlebte und heute ein anerkanntes europäisches Wein-, Musik- und Kulturzentrum ist.
Bei der Gründung des Rheingauer Weinkonvents im Kloster Eberbach wirkte er ebenso engagiert mit wie bei der „German Wine Academy Kloster Eberbach“.
Auch die Weinversteigerungen des VdP wurden maßgeblich von ihm geprägt.
1984 hob er gemeinsam mit Rebenzüchter Prof. Helmut Becker, Winzer Bernhard Breuer und dem damaligen Vorsitzenden des Rheingauer Weinbauverbandes Erwein Graf Matuschka Greiffenclau die Vereinigung der Charta-Weingüter aus der Taufe.
Bereits 1967 wurde er Mitglied des „Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde“ (AKSL), 1988 waren die Teilnehmer der AKSL-Jahrestagung in Mainz seine Gäste in Kloster Eberbach. Nach den politischen Umwälzungen in Osteuropa wirkte er unter anderem in Rumänien als Berater, wo er sich für die Einrichtung von weintouristischen Routen einsetzte. Bei der AKSL-Jahrestagung 2000 hielt er den vielbeachteten Vortrag „Mein Leben mit der Rebe“ in Gundelsheim.
Am 28.2.1990 wurde er in den Ruhestand verabschiedet. Dennoch blieb er weiter aktiv, veröffentlichte Bücher und war als Weinbau-Beratungsbeauftragter der zuständigen Landesregierungen für die neuen Anbaugebiete an Saale, Unstrut und Elbe tätig. Neben einem effizienten Weinbau förderte er hier die Schaffung von Weinstraßen, um den Tourismus mit dem Weingenuss zu verbinden.

Ehrungen:
• Er war der erste, der den Ehrenring des Rheingau-Taunus-Kreises trug.
• Hessischer Verdienstorden.
• Bundesverdienstkreuz am Band.
• Seine Winzerkollegen ehrten ihn mit dem Silbernen Weinrömer.
• 2001 verliehen ihm die Siebenbürger Sachsen, zu denen er zeitlebens Kontakt hielt, für sein Lebenswerk den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis. Sie würdigten damit sein außergewöhnliches Engagement für seine Heimat.

Veröffentlichungen:
Als Autor oder Herausgeber einer großen Zahl von Büchern (in mehrfachen Auflagen) und einem Vielfachen an Artikeln und Aufsätzen zählt er zu den meistgelesenen Weinpublizisten Deutschlands. Das weitgefächerte Spektrum reicht vom Fachbuch bis zum populären Weinratgeber:
• Deutscher Wein-Atlas mit Wein-Lexikon. 1973.
• Die vergnügliche Weinprobe. Wissenswertes und Tips für gemütliche Stunden. 1977.
• Wo's Sträuß'che hängt, werd ausgeschenkt. 1977 und mehr als zehn Auflagen.
• Vinothek der deutschen Weinberg-Lagen. 1978 ff.
• Das große Lexikon vom Wein. 1979 und mehr als fünf Auflagen.
• Die Weine Italiens. 1990.
• Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 1994.
• Rheingau pur. 1994.
• Kapregion. 1996.
• Wein richtig genießen lernen. Einführung in die Weinsensorik. 1997.
Diese und weitere Veröffentlichungen – siehe Weinbibliographie [Schoene3]

Quellen:
• rheingauerWein.de: Interview mit Hans Ambrosi zum 75. Geburtstag.
• Konst, U.: Dr. Hans Ambrosi zum 80. Geburtstag. In: Siebenbürgische Zeitung, München 24.3.2005.
• Blum, W.: Nachruf auf Hans Ambrosi. In: Siebenbürgische Zeitung, München 12.9.2012.
• Tischelmayer, N.: Wein-Plus Glossar

Autor:
Dr. Wolfgang Thomann, Ingelheim